04.05.2026, 20.37 Uhr | Martin Hagemeyer | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
„Die Mausefalle“: Knisternde-spannend ins TiC-Jubiläumsspieljahr
Eine geheimnisvoll-undurchsichtige Gesellschaft: das Ensemble des Agatha-Christie-Krimis „Die Mausefalle“ im TiC-Theater.| Foto: Martin Mazur
Ein Krimi zum Saisonstart hat beim TiC-Theater längst Tradition; im 40. Jahr des Cronenberger Theaters (die CW berichtete) fiel die Wahl von Regisseur und Co-Theaterchef Ralf Budde auf den Klassiker „Die Mausefalle“ von Agatha Christie. Das 1952 uraufgeführte Stück gilt bis heute als das am längsten ununterbrochen gespielte Theaterstück der Welt und läuft noch immer täglich in London.
Klassisches Setting mit viel Atmosphäre
Auch inhaltlich ist die Wahl ein Geschenk an das Publikum: klassischer geht es kaum. Schauplatz ist eine alte englische Villa, bevölkert von eigenwilligen Figuren, von denen eine ein Mörder sein muss – spätestens, als die Pension durch Schnee von der Außenwelt abgeschnitten wird. Der erste Mord ist zu Beginn nur hörbar: Mollie Ralston (Fabia-Ines Dabek) erfährt per Radio vom Tod einer Frau. Bühne und Ausstattung unterstreichen den nostalgischen Ton – vom „Rundfunkempfänger“ bis zum altmodischen Telefon und den roten Polsterstühlen im gediegenen Foyer.
Verdächtige Gäste und feine Figurenzeichnung
Mit jeder neu eintreffenden Figur verdichtet sich die Handlung. Alle bringen Eigenheiten mit, und auffällig ist ein beinahe makabres Detail: Mehrere Personen entsprechen der Täterbeschreibung mit hellem Schal, schwarzem Mantel und dunklem Filzhut – ein wiederkehrendes Motiv mit bedrohlichem Unterton. Auch die Gastgeber, Mollie und Giles Ralston (Alexander Bangen), wirken zwar bürgerlich gefestigt, doch ihre Beziehung erscheint kühl, was im Verlauf noch Bedeutung gewinnt. Besonders prägnant ist Christopher Wren (Maximilian Leuchter), ein schriller, exzentrischer Charakter zwischen Charmeur und Nervensäge. Für humorvolle Reibung sorgt Mrs. Boyle (Monika Owart), die an allem etwas auszusetzen hat – bis sie selbst zum Mordopfer wird.
Düstere Vergangenheit als Schlüssel
Schnell deutet sich an, dass die Taten mit einem lange zurückliegenden Fall von Kindesmisshandlung zusammenhängen, bei dem ein Kind starb und das aktuelle Opfer die damalige Pflegemutter war. Der Originaltitel „Three Blind Mice“ verweist auf ein Kinderlied, dessen Melodie im Stück immer wieder anklingt und für zusätzlichen Grusel sorgt. Trotz humorvoller Momente bleibt die Spannung hoch, etwa wenn bekannte Darsteller wie Hans-Willi Lukas (die CW berichtete) – schon vor 25 Jahren in derselben Rolle zu sehen – nostalgische Bezüge schaffen.
Ermittlungen und wachsende Spannung
Die Ermittlungen übernimmt Detective Sergeant Trotter (Dominik Schinner), der mit Umsicht und Schärfe vorgeht. Nach und nach gerät jeder unter Verdacht, auch Figuren wie die selbstbewusste Leslie Casewell (Sophie-Catherine Hülper) oder der rätselhafte Mr. Paravicini (Vassilis Sacharinidis), der unangemeldet auftaucht und das Geschehen distanziert beobachtet.
Starker Höhepunkt und viel Liebe zum Detail
Besonders eindrucksvoll ist die Schlüsselszene, in der Trotter alle Beteiligten die Abläufe rekonstruieren lässt – ein Moment höchster Spannung im Zuschauerraum. Nach begeistertem Premierenapplaus bot sich Gelegenheit zum Gespräch, etwa mit Kostümbildnerin Noëlle-Magali Wörheide, die mit Details wie einer Krawatte im Stil von Edvard Munchs „Der Schrei“ die Inszenierung zusätzlich verfeinert. So zeigt sich einmal mehr auch die Detailfreude des TiC-Theaters. Tickets für „Die Mausefalle“ im TiC-Theater sind online unter www.tic-theater.de, telefonisch unter (0202) 47 22 11 sowie im TiC-Kartenbüro an der Hauptstraße 3 erhältlich.





