23.05.2026, 18.08 Uhr | Redaktion | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Marion Edelmann-Teiche: Von der CFG-Pädagogin zur Predigerin
Marion Edelmann-Teiche vor dem Gemeindehaus Küllenhahn, in dem sie als Prädikantin der Evangelischen Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn eingeführt wird. | Foto: Meinhard Koke
Die einen setzen sich nach dem Eintritt in den Ruhestand aufs Sofa, andere tun das, was sie schon immer machen wollten: reisen, Hobbys ausleben oder mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Mit dem Sofa hat Marion Edelmann-Teiche wenig im Sinn, seitdem sie im Jahr 2020 als Lehrerin am Carl-Fuhlrott-Gymnasium ausgeschieden ist. Schließlich sind da ja das Malen und Gärtnern, „und ins Gefängnis geh’ ich auch“, erklärt die frühere Oberstudienrätin: Im Rahmen ihres Ehrenamts im Gefängnis besucht sie einmal monatlich einen Insassen in der JVA Simonshöfchen.
Einführung als Prädikantin
Am morgigen Sonntag wird ein weiteres Kapitel aufgeschlagen, dem sie sich widmen möchte: Nach Prüfung und Kolloquium wird die 70-Jährige im Rahmen des Pfingstgottesdienstes, der um 10 Uhr im heimatlichen Gemeindehaus an der Nesselbergstraße 12 beginnt, in ihren Dienst als Prädikantin von Evangelisch Cronenberg-Küllenhahn eingeführt. Es ist der Abschluss einer zweijährigen Ausbildung zur ehrenamtlichen Predigerin. „Zwei Jahre – zwei Seiten“, blickt die Küllenhahnerin zurück: Schulungen wechselten sich mit Praxis bei Evangelisch Cronenberg-Küllenhahn ab. Unter anderem leitete Marion Edelmann-Teiche erste Gottesdienste: „Ich hätte zehn gestalten müssen, habe aber 20 gemacht.“ Gottesdienste zu gestalten sei eine kreative Angelegenheit, „und ich bin gerne kreativ“.
Von der Presbyterin zur Prädikantin
Marion Edelmann-Teiche blickt auf ihre Schulzeit zurück: Journalistin habe sie nach dem Abitur werden wollen („Ich habe immer gerne Geschichten geschrieben“) – „ich habe mich, glaube ich, nicht getraut …“ Schreiben blieb indes eine Leidenschaft. Als sie im Februar 2020 Presbyterin wurde, konnte sie diese einbringen: So manches Grußwort im Gemeindebrief hat die frühere Oberstudienrätin verfasst. Als Presbyterin erfuhr sie von der Ausbildung zur Prädikantin – die Gemeinde schlug sie vor, im Jahr 2024 begann Marion Edelmann-Teiche die Ausbildung.
„Gerade jetzt brauchen wir Visionen“
„Letztlich ist es toll, wenn sich im Alter noch Gelegenheit findet, sich einbringen zu können.“ Ihr gefalle nicht alles, was Kirche mache. Gerade in dieser Zeit fühle sie sich aber aufgehoben in einer Institution, die gegen Profitgier, Gleichgültigkeit, Kriege und Ausbeutung Stellung beziehe. „Das sind gute Werte, und die möchte ich vertreten“, erläutert Marion Edelmann-Teiche. Kirche sei für sie eine Kraftquelle: „Ich finde, dass wir gerade in dieser Zeit Visionen brauchen.“
Dass sie einmal Prädikantin sein würde, „hätte ich früher auch nicht gedacht“. Und es scheint so, als schlösse sich morgen für Marion Edelmann-Teiche ein Kreis: Zur Journalistin fehlte einst der Mut, zur Prädikantin hat sie ihn. „Ich setze mich mit Gott auseinander und bin mit Menschen verbunden, die ebenso Fragen haben“, beschreibt die frühere Oberstudienrätin ihren Antrieb für das besondere Ehrenamt. Als Geschenk empfindet es die Küllenhahnerin, Predigten zu schreiben: „Das ist eine kreative Angelegenheit und spannend, sich damit auseinanderzusetzen.“
Kreative Freude und Spaß an der Teamarbeit
Auch die Gottesdienstgestaltung in Teamarbeit bereite viel Spaß: „Ich finde das toll …“ Es sei so vieles nicht in Ordnung in dieser Welt. Dass sonntags aber überall rund um den Globus Gottesdienst gefeiert und gebetet werde, empfindet Marion Edelmann-Teiche als Kraftquelle, die ihr Optimismus gebe. Insofern sei ihr Ehrenamt doppelt schön: Es bringe ihr selbst Freude und bedeute – bestenfalls – Unterstützung und Orientierung für andere. „Die Arbeit mit Menschen macht für mich am meisten Sinn“, befindet die Prädikantin, um anzufügen: „Mal nichts zu machen, macht aber auch Sinn …“





