29.05.2026, 12.47 Uhr | Redaktion | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
300 Gäste: Krassnitzer-„Reflexionen zu einer „spannender Stadt“
Der Wuppertaler Filmstar Harald Krassnitzer bei seinem Besuch in der Reihe „Offene Abende“ in der Johanneskirche am Friedenshain. | Foto: Lutz Meyer-Pächtel
Vom Gemeindesaal wich man in den Kirchraum nebenan aus, wo schließlich sogar die Orgelempore freigegeben wurde: Mit rund 300 Gästen erlebte der letzte „Offene Abend“ der evangelischen Südstadt-Gemeinde in der Johanneskirche einen Ansturm. Das „Zugpferd“: Schauspieler Harald Krassnitzer.
Bundesweit bekannt und im Tal engagiert
Bekannt geworden durch die Fernsehserie „Der Bergdoktor“ und als Ermittler im Wiener „Tatort“ und aktuell in dem Demenz-Drama „Der verlorene Mann“ zu sehen, ist der Österreicher seit Jahren in Beyenburg zu Hause. In seiner Wahlheimat Wuppertal engagiert er sich mit seiner Frau, der Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, in etlichen sozialen Projekten. So hat das Künstler-Ehepaar Kramer/Krassnitzer unter anderem die Schirmherrschaft für die „8samkeitsgruppen“ der Begegnungsstätte „Alte Feuerwache“ an der Gathe inne.
„Das gehört für mich zu einer aktiven Bürgerschaft dazu“, erklärte der 65-Jährige, der an diesem Abend gemeinsam mit WZ-Chefredakteur Lothar Leuschen zum Thema „Reflexionen zu einer spannenden Stadt“ sprach. Krassnitzer sieht in Wuppertal viel Engagement und Potenzial, das aber kaum genutzt werde. So müsse man die politisch Verantwortlichen der Stadt dazu bewegen, dass sich Wuppertal als „Europäische Kulturhauptstadt“ bewirbt: „Der unglaublich lebendige Geist dieser Stadt ist immer noch vorhanden. Mit dieser Aufgabe würde die Stadt auch wachsen.“
Wuppertal als Musterstadt für Entbürokratisierung
Krassnitzer fragte sich, warum es nicht gelinge, die vorhandene Energie der Bürgerschaft in politische Maßnahmen umzusetzen. Der Wahl-Wuppertaler wünscht sich für Wuppertal die Rolle einer „Musterstadt“: Diese müsse eine Zeit lang von bestimmten administrativen Vorgaben befreit werden, damit kreativ anders mit dieser Stadt umgegangen werden könne. Der TV-Star bemängelte bürokratische Vorgehensweisen, nach denen sich sozial engagierte Vereine jedes Jahr aufs Neue legitimieren und stapelweise Formulare ausfüllen müssten: „Die Verwaltung dieser Stadt hat kein Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Bürger“, befand Krassnitzer. Etablierte Vereine sollten von dieser Pflicht befreit werden, lautete eines der Krassnitzer-Plädoyers.
Zuhörer-Votum für „Schwebebahnstadt“
Ihre allgemeine Verdrossenheit gegenüber Stadtverwaltung und Politik teilten auch etliche Anwesende im Publikum. Sie machten sich zum Beispiel zur Diskussion um den von einer Mehrheit im Stadtrat abgelehnten Namenszusatz „Schwebebahnstadt“ Luft – in einer „Probeabstimmung“ im Kirchraum sprach sich das Publikum fast einstimmig für die „Schwebebahnstadt“ aus.
Krassnitzer-Anliegen: „Peace Bell“ für Wuppertal
Ein weiteres Herzensanliegen Krassnitzers: das Projekt „Peace Bell“ des bekannten Pop-Rock-Sängers Michael Patrick Kelly. Im Rahmen dessen wurden bisher vier Friedensglocken aus altem Kriegsschrott gegossen. Harald Krassnitzer engagiert sich für eine fünfte und letzte Glocke in Elberfeld. So könnten Menschen, die Wuppertal besuchen, schon bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof mit diesem Kunstwerk begrüßt werden – und auf diese Weise einen ersten positiven Eindruck von einer auch friedliebenden Stadt erhalten…
| Lutz Meyer-Pächtel





