03.07.2026, 17.10 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Urgestein Dirk Tesche: Die erst zweite „Kiste“ ohne ihn – leider…!
Das verstorbene Kisten-Urgestein Dirk Tesche (li.) auf der Werkzeugkiste in Aktion: als Losverkäufer mit einem anderen Dorper Urgestein: Plattkaller Karl-Heinz Dickinger. | Foto: Meinhard Koke
Selbst als er im Süden Deutschlands lebte, ließ sich Dirk Tesche eines nicht nehmen: Die Cronenberger Werkzeugkiste war für ihn gesetzt. Obwohl der Interim-Manager zur Sanierung von Unternehmen viel und international unterwegs war, stand am Werkzeugkisten-Tag „Cronenberg“ verlässlich in seinem Terminkalender. Nur die erste Werkzeugkiste verpasste er – aus gutem Grund: Da hatte Tesche anderes zu feiern – seine Verlobung! Am morgigen Samstag wird man das Kisten-Urgestein schmerzlich vermissen: Anfang Mai ist Dirk Tesche mit 79 Jahren verstorben.
Moderator: Bei Firmenkrisen und auf der Kiste
Der Manager verstand es nicht nur, Unternehmen aus der Krise zu führen. Talent als Moderator bewies Dirk Tesche auch auf der Bühne: Ab der zweiten Festauflage stand der Herzens-Cronenberger auf der großen Bühne an der Rathausstraße und führte durch das Programm. Immer zu einem launigen Spruch aufgelegt, kündigte er die Auftritte der einzelnen Künstler an, begrüßte Schirmherren und -frauen sowie Ehrengäste, ermunterte zum Kauf von Kisten-Losen oder stimmte das Cronenberger Heimatlied zum Finale an.
Stets behielt Dirk Tesche im Festtrubel den Überblick, nie war er um einen Kommentar verlegen. Seine „Gage“ für einen langen Kisten-Tag: hin und wieder ein Bierchen und vor allem ein Backfischbrötchen. Das war das Sahnehäubchen eines Festtags für Dirk Tesche – neben einem guten Kisten-Erlös, natürlich! Tesches Markenzeichen: Als Obram Nummer 33 stand er in der Blauleinen-Kluft der Cronenberger Plattkaller auf der Bühne, die „hu-esiedene“ schwarze Kappe auf dem Kopf. Dirk Tesche war beides: auf internationalem Parkett unterwegs und ein selbsterklärter „Frankreich-Versteher“ und Cronenberger, der den Wurzeln treu blieb. So wirkte er im vergangenen Jahr an der Erstellung des Posters mit den „Stadtteil-Highlights“ mit, das der Cronenberger Heimat- und Bürgerverein (CHBV) zum 975-jährigen Cronenberg-Jubiläum herausgab. Und obwohl Tesche beruflich in vier Sprachen zu Hause war, pflegte er als Obrams-Mitglied ebenso den Dorper Dialekt.
Abschied von der Bühne – aber nicht von der Kiste
Im Jahr 2009 nahm Dirk Tesche seinen Obrams-Hut ab: Nach über 30 Jahren stieg er ab von der Kisten-Bühne – seitdem wird das Programm von einem „Doppel“ moderiert. „Um Dirk Tesche zu ersetzen, braucht man mindestens zwei Frauen“, kommentierte der damalige Oberbürgermeister Peter Jung denn auch die neue Werkzeugkisten-„Frauen-Power“ vor 17 Jahren. Im Schatten der Bühne setzte Tesche den Obrams-Hut aber wieder auf: Im Blauleinen stürzte er sich ins Kisten-Getümmel, verkaufte Lose für die CHBV-Tombola und genoss einfach den Cronenberger Feiertag. Auch wenn der Backfisch-Wagen in den vergangenen Jahren einen Bogen um die Werkzeugkiste machte – bei Feuerwehrwurst und Cronenberg-Bier ließ sich das halbwegs verschmerzen…
Immer offen für Neues – bis zuletzt…!
Gegen die Verlagerung der Werkzeugkiste ans Ehrenmal hatte das Urgestein zunächst Vorbehalte. Charakteristisch für Tesche war jedoch: Er war offen für Neues und ließ sich bereitwillig eines Besseren belehren. Nach der ersten „neuen“ Werkzeugkiste räumte er ein, mit seiner Skepsis falsch gelegen zu haben. Der Werkzeugkisten-Verein habe mit der Verlagerung der Festmeile alles richtig gemacht und damit „den Turbo“ gezündet, lobte das Urgestein die Nachfolgegeneration. Der Krisenmanager freute sich darüber, dass der Kisten-Gedanke neuen Schwung bekommen hatte: „Ich bin begeistert und gerührt: Nach 50 Jahren lebt die Werkzeugkiste immer noch – das ist bewegend“, sagte Dirk Tesche vor vier Jahren zur CW.
Nicht oben von der Bühne, sondern diesmal von „ganz oben“ wird Dirk Tesche den morgigen Kisten-Tag sicherlich im Blick haben. Und das eine oder andere Glas Cronenberg-Bier wird von der Kisten-Meile gewiss auch in seine Richtung gehoben werden – Backfisch gibt’s auch diesmal nicht…!





