02.09.2026, 19.12 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Hoffest-Jubiläum: Ein Podcast mit Gudrun Balewski blickt zurück
Im Vergleich zu dem „Nationalfeiertag“ heute beschaulich-überschaubar: ein Blick auf das erste Hoffest-Treiben des Bürgervereins Küllenhahn im Jahr 1985. | Foto: Bürgerverein
Gilt es im Ortsteil etwas herauszufinden, ist das eine viel genannte Option: „Frag doch mal bei Gudrun nach…“ – Gudrun Balewski, Inhaberin des Küllenhahner Blumengeschäfts, ist nicht nur in Sachen Blumen Anlaufstelle im Dorper Norden. Zum 40. Geburtstag des Küllenhahner Hoffests lag das insofern nahe: Frag nach bei Gudrun…! Jens Thelen tat es: Der Küllenhahner Autor, Texter und Sprecher startete zum Hoffest-Jubiläum am vergangenen Samstag einen Podcast – mit Gudrun Balewski blickt Thelen auf die Geburtsstunde des Küllenhahner „Nationalfeiertags“ zurück.

Podcaster Jens Thelen vom Bürgerverein Küllenhahn blickt mit Urgestein Gudrun Balewski (re.) auf das erste Hoffest im Jahr 1985 zurück. | Foto: Bürgerverein Küllenhahn
Auch in dieser Hinsicht lohnte es sich, bei Gudrun nachzufragen, schließlich sagt sie: „Ich war auf jedem Hoffest.“ Als sie am letzten August-Samstag ihr 40. Hoffest mitfeierte, hat sich Gudrun Balewski vielleicht auch das gedacht: Ganz schön groß geworden in den letzten vier Jahrzehnten, das Hoffest…! Opulente Sparkassenbühne, Spielpark, Feuerwehr-Aktionen, Zauberer, Tanz, Gesang, Entertainer und DJ, reichlich Kulinaria – die Jubiläumsauflage fuhr wieder groß auf.…!
Die Geburtsstunde des Nationalfeiertags
Klickt man die Bilder-Galerie vom ersten Hoffest auf der Internetseite des Bürgervereins durch, erkennt man: Bei der Premiere im Sommer 1985 ging es noch recht beschaulich zu. Im Gespräch mit Jens Thelen erinnert sich Zeitzeugin Gudrun Balewski, zweierlei habe den Anstoß für das Hoffest gegeben: Die Schule Küllenhahn wurde 100 Jahre alt, und ihre Mutter Johanna Balewski hatte sich „in den Kopf gesetzt“, Küllenhahn-Bilder zu sammeln, um ein Buch daraus zu machen. Als „För Schwatte, Witte on Küllenhahner“, längst das Standardbuch über den Ortsteil, fertig war, habe Karl-Hans Jung, der damalige Bürgervereinsvorsitzende, die Idee gehabt: Ein Fest mit Ständen, Musik, Essen, Trinken & Co. zu veranstalten, um dabei auch das Buch unters Volk zu bringen…
Ein-Mann-Band, Polonaise, Sackhüpfen…
„Alexander’s Mini-Band“, Bierwagen, Kuchen, Bratwurst und Erbsensuppe sowie Schnurrrad, Eierlaufen und Sackhüpfen – so ging das „Küllenhahner Fest“ – das Wörtchen „Hof“ war damals noch ein kleiner Zusatz auf dem Plakat – an den Start. Als die Ein-Mann-Band abgezogen war, saß man ohne Musik zusammen: Da habe dann jemand einen Kassettenrekorder geholt, weiß Gudrun Balewski, und es lief bis zum Schluss „dramatische Oberammergau-Musik von links nach rechts und wieder zurück“…

Später wurde er Vorsitzender des Bürgervereins und Oberbürgermeister Wuppertals: Der junge Peter Jung (vo. li.) als gutgelaunter Gast auf dem Hoffest 1985. | Foto: Bürgerverein
Gab die Endlosschleife den Ausschlag? Zum zweiten Hoffest fuhr der Bürgerverein schon eine Zwei-Mann-Kombo aus der Südstadt auf. Später lagen auf den Tischen Decken, es gab einen Weinstand, am Grill kamen Salate und Frikadellen hinzu, es gab Ponyreiten: „Das war schon viel besser – wir haben richtig gelernt“, schaut Gudrun Balewski zurück. Nur: Die Küllenhahner klebten an ihren Stühlen… „Wenn wir jetzt nicht tanzen, dann gehen die“, befürchteten Mutter Hanna und Gretel Melech – also tanzte die Blumenfrau mit der Küsterin, irgendwann wurden sie abgeklatscht und später steppten Polonaisen über den Hof – „zum Schluss haben alle auf der Bühne getanzt, alle hatten fürchterlich viel Spaß“, weiß Gudrun Balewski.
Vom einen Hof auf den anderen – und wieder zurück…
Und auch diese Anekdote entlockt Jens Thelen der Zeitzeugin in der kurzweiligen Podcast-Viertelstunde: Als der „Birkenbeil“-Pächter nach dem dritten/vierten Fest die Nase voll davon gehabt habe, dass zum Hoffest stets seine Gaststätte ausgeräumt wurde, zog das Fest auf einen anderen Hof – den heutigen Biergarten des Restaurants Schwarz. Dort wurden weitere drei/vier Auflagen gefeiert, dann war auch hier Schluss: Kinder hatten auf dem Herren-WC aus Luftballons Wasserbomben gemacht, damit „platzte“ auch dieser Festplatz.
Zunächst kehrte das Hoffest dann wieder zum Ursprungshof zurück, schnell wurde es hier aber so eng, dass ab der zehnten Auflage erneut Veränderung angesagt war: Der Einbahnstraßen-Abschnitt der Küllenhahner Straße wurde zur Festmeile, die Bezeichnung „Hoffest“ blieb, von nun an war es aber ein Straßenfest…
Ob hier oder da: Gudrun bleibt dem Hoffest treu
Dass es damit seit drei Jahren vorbei ist, dass das Bürgervereinsfest auf den (Schul-)Hof am Schulzentrum Süd umzog und damit wieder seinem Namen gerecht wird, gefällt zwar nicht jedem. Hoffest-Urgestein Gudrun Balewski findet den neuen Schauplatz aber gut: „Vielleicht ist es nicht so nett dort wie zuvor, aber es ist so viel einfacher dort…“, sagt sie in dem Podcast zum Hoffest-Jubiläum.

Statt Zauberer, Tattoos oder Spielpark heute: Sackhüpfen und Eierlaufen waren 1985 auf dem ersten Hoffest des Bürgervereins Küllenhahn die Hits für die „kleng“ Küllenhahner… | Foto: Bürgerverein
Und auch das gefällt der Zeitzeugin: Dass die nächste Bürgervereins-Generation die Fest-Organisation übernommen hat – „die haben so viel Spaß, ich bin froh, dass sich immer wieder ,Doofe’ finden, die das machen“, freut sich die „Veteranin“, dass der Hoffest-Staffelstab weitergereicht ist. Mit inzwischen 71 Jahren gehört Gudrun Balewski aber unverändert zu den „Doofen“: Als Mithelferin war sie am Tombola-Stand „live“ zu erleben…
Wer den Podcast hören möchte: Online unter www.bv-kuellenhahn.de/was-es-zu-entdecken-gibt/podcast/ kann er abgerufen werden. Impressionen von zahlreichen Hoffesten können derweil hier durchgeklickt werden: www.bv-kuellenhahn.de/wo-wir-uns-treffen/hoffest/. Zum Schluss noch das: Das Podcast-Gespräch mit Jens Thelen räumt auch mit diesem Küllenhahn-Rätsel auf – es heißt „auf’m Küllenhahn“ und nicht „am Küllenhahn“, stellt Gudrun Balewski klar…!





