Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

07.07.2017, 13.51 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Auf der Kisten-Meile: Bethesda macht Cronenberg zu Lebensrettern

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Geht sehr schnell: Notfallzentrum-Chef Dr. Gunnar Kalund (mi.) vom Agaplesion Bethesda-Krankenhaus wird mit Mitarbeitern die Werkzeugkisten-Besucher zu Lebensrettern machen. -Archiv-Foto: Meinhard Koke

Es fehlte nicht viel und die fröhliche, erfolgreiche Werkzeugkiste 2015 wäre von einem traurigen Unglück überschattet worden: Am frühen Abend erlitt ein Kisten-Besucher in der Ortsmitte einen Herzstillstand. Dass er überlebte, hatte der Südstädter drei damals elf- beziehungsweise zwölfjährigen Cronenbergerinnen zu verdanken (die CW berichtete). Chiara Marie, Elsa und Lea Marie, die gerade zufällig am Ort des Dramas vorbeikamen, handelten goldrichtig: Sie riefen Hilfe herbei und die kam rechtzeitig – der Südstädter konnte zurück ins Leben geholt werden.

„Ihr seid ganz unverkrampft mit der Situation umgegangen“, lobte der damalige Oberbürgermeister Peter Jung das couragierte Trio: „Ihr seid Vorbilder.“ Vorbild kann auf der morgigen 24. Cronenberger Werkzeugkiste jeder werden: In Zusammenarbeit mit dem Verein „Kulturschmiede Cronenberg“ und der CW kommt das Agaplesion Bethesda-Krankenhaus in die Kulturschmiede, um die Cronenberger zu Lebensrettern zu machen. Unter der Überschrift „Cronenberg wird Lebensretter“ werden Experten des neuen Notfallzentrums des Krankenhauses von 10 bis 16 Uhr alle Interessierten an der Hütte 3 in erster Hilfe bei einem Herzstillstand schulen. Damit sie im Notfall selbst helfen und damit Leben retten können – auf der Werkzeugkiste und wo immer es notwendig ist.

Plötzlicher Herzstillstand: Jede Sekunde zählt…

Wie einfach es ist, zum Lebensretter zu werden, das macht ein kleiner Info-Flyer deutlich, den das Agaplesion Bethesda-Krankenhaus im Frühjahr bei der Vorstellung seines Notfallzentrums präsentierte: Kleiner als eine Scheckkarte zeigt die Kurzanleitung alles an Erster Hilfe auf, die bei einem Herzstillstand notwenig ist. Die Werkzeugkisten-Besucher werden es bei der schnell zu erlernenden Herzmassage an den Übungspuppen, welche Notfallzentrum-Leiter Dr. Gunnar Kalund und seine Mitarbeiter mit in die Kulturschmiede bringen werden, selbst herausfinden können: Lebensretter zu werden ist ganz einfach! Auch mit der Teilnahme an der Cronenberger Werkzeugkiste verfolgt das Bethesda-Notfallzentrum ein ambitioniertes Ziel: Alle Wuppertaler zu potenziellen Lebensrettern zu machen, das hat sich das evangelische Krankenhaus an der Hainstraße auf die Fahnen geschrieben.

„Wir möchten Menschen bewegen, Leben zu retten“, betonte Bethesda-Geschäftsführer Georg Schmidt im Frühjahr gegenüber der CW, „wir möchten dazu beitragen, dass einem Patienten mit plötzlichem Herzstillstand nicht erst im Krankenwagen, sondern direkt vor Ort seines Zusammenbruchs geholfen wird.“ Wie notwenig das ist, beweist die Statistik: Der plötzliche Herzstillstand ist die häufigste Todesursache in Deutschland, noch vor Krebserkrankungen. Etwa 65.000 Menschen versterben jährlich bundesweit daran, allein in Wuppertal ist von rund 300 Todesfällen auszugehen. Das muss nicht sein, wenn schnell Hilfe zur Stelle ist: Jede Minute im Herzstillstand, die ohne Erste Hilfe verrinnt, senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten um zehn Prozent – jede Sekunde zählt also buchstäblich und ist überlebenswichtig.

Dr. Gunnar Kalund: „Leben zu retten ist ganz einfach…“

Noch dazu weil diese Hilfe denkbar einfach zu erlernen ist, haben es sich Notfallmediziner Dr. Gunnar Kalund und sein Team von Bethesda-Notfallzentrum auf die Fahne geschrieben, in Wuppertal eine Erste-Hilfe-Welle auszulösen: Die Ärzte und Notfallsanitäter des Bethesda-Notfallzentrums gehen in Betriebe und Praxen, um die Mitarbeiter dort zu schulen, bieten laufend Schulungen für Jedermann an der Hainstraße an – und rücken morgen zur Werkzeugkisten-Meile aus. „Wenn wir nur ein Leben retten können, ist es die ganze Mühe wert“, unterstreicht Dr. Gunnar Kalund: „Es macht Spaß, Leben zu retten!“ Dass dabei gerade in Deutschland einiges im Argen liegt, weiß Gunnar Kalund anhand einer beeindruckenden Zahl aufzuzeigen: Die Erste-Hilfe-Quote in Skandinavien liegt bei 75 Prozent, in Deutschland gerade einmal bei 25 Prozent – daher Kalunds Appell: „Nichts zu machen, ist das Falscheste, was man machen kann!“

Wer sich im Notfall zu helfen wissen mag, der ist am morgigen Werkzeugkisten-Samstag herzlich in der Kulturschmiede willkommen. Nehmen Sie eine kurze Auszeit vom fröhlichen Kisten-Trubel und lassen Sie sich an der Hütte 3 in wenigen Minuten in der Herzmassage schulen – wer dabei ist, wird anschließend mit der verblüffenden Erkenntnis wieder in das Kisten-Getümmel eintauchen: „Leben retten ist ganz einfach – man muss es halt nur versuchen!