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22.08.2017, 19.48 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Schatten, Haselmaus & Quellen: Gerangel um Baupläne am Greuel

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Links der Museumsbahn-Strecke am Greuel will die Stadt ein Grundstück mit Wohnhäusern bebauen lassen. -Foto: Meinhard Koke

Wie die CW berichtete, hat sich die Bürgerinitiative (BI) Landschaftsschutz Greuel-Möschenborn reaktiviert. Grund ist der städtische Bebauungsplan 1229: Unter dem Titel „An der Museumsbahn“  soll auf einer städtischen Fläche parallel zur Strecke der bergischen Museumsbahnen Platz für bis zu zehn Ein- beziehungsweise Zweifamilienhäuser geschaffen werden.

„Wir sind entsetzt, wie ig­no­rant die Stadt zum wiederholten Mal mit dem Quellgebiet des Möschenborn umgeht“, kritisierte der BI-Vorsitzende Christoph Frielingsdorf in einer Stellungnahme die Baupläne: Quellen und deren Einzugsgebiete seien durch die Natur- und Landschaftsgesetze geschützt und dürften nicht bebaut werden – „wann will die Stadt Wuppertal das endlich begreifen?“, forderte Frielingsdorf ein wassergeologisches Fachgutachten für den Bereich der Hofschaftswiese.

Dass die Stadt mit ihren Bebauungsplänen keinen leichten Stand haben würde, zeigte sich bereits Anfang April, als  die städtische Bauleitplanerin Mirjam Kerkhoff das Vorhaben im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung in der Aula an der Berghauser Straße vorstellte. Die Ideen zu der insgesamt 6.300 Quadratmeter großen Fläche zwischen Berghauser und Greueler Straße, zu der Studenten der Uni Wuppertal einen Wettbewerb durchgeführt hatten (die CW berichtete ebenfalls), wurden von der Anwohnerschaft zum teil kritisch gesehen.

Anwohner-Kritik: „Sie verkaufen Schatten!“

Dass das betreffende Teilstück der Greueler Straße bis zur Berghauser Straße im Zuge der Realisierung des neuen Baugebietes mit einem Gehweg ausgebaut werden müsse, wofür auch die Anwohner der oberen Greueler Straße zur Kasse gebeten würden, stieß noch durchaus auf Verständnis. Dagegen sagten die Zuhörer massive Parkplatzprobleme voraus. Auch wurde die Befürchtung laut, dass das Baugebiet zu nah an Grenzen bestehender Häuser heranrückte.

Eine Anwohnerin rückte besonders zwei geplante Häuser an der südlichen Grundstückseite in den Fokus. Von Oktober bis Mitte März falle dort wohl kein Sonnenlicht ein – „Sie verkaufen Schatten!“, stellte die Nachbarin fest. Ins Licht geriet bei der Anhörung auch der Naturschutz: Auf dem Areal soll die Haselmaus gesichtet worden sein. Der possierliche Nager, just in diesem Jahr durch die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild und die Deutsche Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres 2017 gekürt, gilt zwar nicht als bedroht. Die Haselmaus steht in der EU aber unter strengem Artenschutz.

Zeitplan hinkt schon ein Jahr hinterher

„Es ist noch alles korrigierbar“, erklärte Bauleitplanerin Mirjam Kerkhoff im April, zumindest wassergeologisch scheint es aber grünes Licht zu geben: Entsprechende Untersuchungen hätten zwischenzeitlich ergeben, dass die Baupläne keine entscheidenden Auswirkungen auf das betreffende Quellgebiet hätten, berichtet Mirjam Kerkhoff gegenüber der CW. Allerdings: Kerkhoff geht davon aus, dass das Vorhaben bereits um etwa ein Jahr hinter dem usprünglichen Zeitplan hinterherhinkt. Bisher war der Baubeschluss für 2018 anvisiert worden…