13.02.2018, 19.56 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Neuer Polizeipräsident: Wenig Hoffnung auf mehr Polizei im Dorf

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„Ich habe ganz spontan ,Ja‘ gesagt“: Markus Röhrl ist neuer Chef der Polizei in Wuppertal, Remscheid und Solingen. -Foto: Meinhard Koke

Markus Röhrl heißt der neue Polizeipräsident fürs bergische Städtedreieck. Der 56-Jährige hat eine „bewegte“ Vita, die ihn bis nach Brüssel führte. Dass sich Röhrl dennoch als „bodenständig“ vorstellte, lässt hoffen, dass er an der Spitze des außergewöhnlichen, weil drei Städte umfassenden Präsidialbereiches nicht den Blick für die „Niederungen“, sprich die Stadtteile, verloren hat. Denn Röhrl „kloppt“ nicht nur leidenschaftlich gerne Skat und Doppelkopf. Im heimatlichen Hennef im Rhein-Sieg-Kreis, also in direkter Nachbarschaft zum Bergischen, engagiert sich Markus Röhrl auch im Vorstand des dortigen Bürgervereins. Den Anruf aus dem Ministerium zur Polizeipräsident-Berufung erhielt er, als er gerade in einer Pommesbude zu Gast war, plauderte Röhrl aus dem Nähkästchen: „Ich habe ganz spontan ,Ja‘ gesagt“ – im Anschluss war der Pommes-Appetit futsch…

Er sehe die Notwendigkeit, auch in der Fläche Präsenz zu zeigen, äußerte sich Röhrl auf CW-Nachfrage zu den aktuellen Diskussionen um die Stärke der Polizei in Cronenberg. Aktuell versehen am Rathausplatz zwar wieder 2,5 Beamte ihren Dienst. Wie berichtet, hatte die Versetzung eines Cronenberger Beamten aber dazu geführt, dass die Dörper Dienststelle zeitweise mit nur 1,5 Polizisten besetzt war. Die CDU Cronenberg hatte die personelle Ausstattung Ende des vergangenen Jahres kritisiert und die Frage aufgeworfen, ob die Sicherheit im Stadtteil noch gewährleistet sei. „Wir brauchen mehr Polizei“, forderte die CDU daher im November.

Markus Röhrl: „Die objektive Sicherheit ist entscheidend…“

Darauf angesprochen, wollte der neue Polizeipräsident wenige Tage nach seinem Dienstantritt an der Friedrich-Engels-Allee noch keine detaillierte Stellungnahme abgeben. Er gehe aber davon aus, dass das Personal gut verteilt sei. „Ich weiß, der Bürger fühlt sich wohl, wenn Polizei in der Nähe ist“, sagte Markus Röhrl zur CW. Entscheidend sei aber weniger das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, sondern vielmehr die objektive Sicherheit. Diese, so der neue bergische Polizeichef weiter, gewährleiste nicht die Präsenz vor Ort, die sichtbare Polizeipräsenz auf der Straße sei vielmehr dafür entscheidend: „Wenn man die ,110‘ wählt, ist die Polizei schnell da“, unterstrich Röhrl.

Der neue Polizeipräsident sagte zu, dass er sich natürlich auch in Gesprächen mit den drei Oberbürgermeistern über die Lage im Städtedreieck „schlau machen“ werde. Große Hoffnungen auf mehr Polizei im Dorf dürfen sich die Cronenberger aber wohl nicht machen. Denn Markus Röhrl kann personell kaum aus dem Vollen schöpfen: Die von NRW-Innenminister Herbert Reul verkündeten neuen Polizisten müssen erst ausgebildet werden. Wenn sie dann da sind, schlägt der demografische Wandel durch – Konsequenz: „Wir werden gerade das Level halten können“, äußerte Markus Röhrl wenig Hoffnung auf einen personellen Zuwachs seines rund 1.700 Beamte zählenden Hauses.

Seit 2011: Ein Drittel mehr Einsätze, gleich viele Beamte

Daher müsse man andere Wege gehen: Um Beamte zu entlasten und verstärkt auf die Straße zu bekommen, sei die Einstellung von Regierungsbeamten für den Verwaltungsdienst eine Option. Das etwas geschehen muss, ist klar: Wie der neue Polizeipräsident berichtete, ist die Zahl der durchschnittlichen Einsätze pro Tag um etwa ein Drittel gestiegen: Registrierte die Polizei 2011 noch 366 Einsätze am Tag, so waren es im letzten Jahr 450 Einsätze. Diese mussten mit gleichem Personalbestand erledigt werden: „Wir sind sehr, sehr belastet“, kommentierte Röhrl – dass da nicht schon viel eher die Reißleine gezogen wurde, verwundert… Meinhard Koke

Seiteneinsteiger an der Spitze

Markus Röhrl ist ein Seiteneinsteiger bei der Polizei. Von Haus aus ist der verheiratete Vater zweier Kinder Jurist. Nach dem Examen startete Röhrl zunächst im Auswärtigen Amt, war dann als Anwalt tätig, bevor er zur Polizei wechselte. Nach Dienst in Streifenwagen und Kommissariat war der 56-Jährige, der als gebürtiger Düsseldorfer übrigens Fan des 1. FC Köln ist, unter anderem Leiter einer Kölner Polizeiinspektion, bevor er in Düsseldorf das Referat für polizeiliche internationale Zusammenarbeit übernahm und dabei auch in Brüssel tätig war. Im Anschluss baute Röhrl das Cybercrime-Kompetenzzentrum im Landeskriminalamt NRW auf, in den vergangenen sechs Jahren war er als Chef der Düsseldorfer Kripo tätig.

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