17.03.2019, 08.00 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wohnen versus Gerwerbe: „Die Firma Baier hat nie gestört…“

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Wird hier, wo derzeit noch Anwohner und der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (li.) in einer ruhigen Stichstraße der Emanuel-Felke-Straße stehen, demnächst eine Ringstraße zu finden sein, die Verkehr von der Oberheidter Straße abzieht? Das ist nur eine der Sorgen der Anwohner. – Foto: Marcus Müller

Die vom Grundstücksbesitzer der ehemaligen Sägenfabrik an der Oberheidter Straße beantragte Änderung des Bebauungsplanes, um das Areal statt für Gewerbe zukünftig für Wohnbebauung nutzen zu können, mobilisiert nun die Anwohner rund um das Gelände. Mit Widersprüchen wollen sie die Verwaltung auffordern, dieses Vorhaben nicht umzusetzen. Dagegen hatte sich auch die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg einstimmig bei einer Enthaltung ausgesprochen, der Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen hatte daraufhin eine Entscheidung auf seine nächste Sitzung am 9. Mai 2019 vertagt.

„Es gibt genug Gewerbebetriebe, die keine Emissionen verursachen“

Die Anwohner stört besonders eine Aussage der Verwaltung, dass laut Bundesemmissionsschutzgesetz dort kein Gewerbe mehr angesiedelt werden dürfe. „Es gibt genug Gewerbebetriebe, die keine Emissionen verursachen“, geben sie in einem Bürgerantrag zu bedenken. In die gleiche Kerbe schlägt auch Cronenbergs stellvertretender Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wen­czowsky: Sogenanntes „stilles Gewerbe“, wie etwa IT-Unternehmen, Architekten und ähnliche Berufe könnten auf dem Geläde der ehemaligen Sägenfabrik durchaus angesiedelt werden: „Sie möchten ja oft, dass ihre Mitarbeiter während der Arbeit auch mal ins Grüne gehen können.“ Und der durch eine neuerliche Gewerbeansiedlung entstehende Verkehr verlaufe antizyklisch. Selbst bei einer Bebauung mit nur 40 Einfamilienhäusern könne man mit zusätzlichen 60 Autos rechnen, warnt von Wen­czow­sky, welche die Oberheidter, Berghauser Straße und die Ortsmitte zusätzlich belasten würden.

Darüber hinaus habe es in der Vergangenheit vom bestehenden Gewerbe „keine Konflikte zur angrenzenden sensiblen Wohnbebauung“ gegeben, stellen die Anwohner von der Oberheidter Straße, vom Häusgesbusch, der Emanuel-Felke-Straße und vom Häuschen klar. „Die Firma Baier hat nie gestört.“ Schließlich gäbe es ja eine Abstandsfläche, eine „grüne Oase“, die mit hohen Bäumen bewachsen ist und auf der „Fledermäuse, Igel, Schlangen, Marder, Dachse, echte Hasen und auch Rehe sowie viele Vögel“ ihr Zuhause gefunden hätten. Dieser Grünstreifen solle laut Planungen ebenfalls bebaubar sein. Von einer Umweltprüfung müsse daher durch ein beschleunigtes Verfahren nicht abgesehen werden, fordern die Nachbarn. Gleiches hatten SPD und Grünen in der BV thematisiert.

Planungen schon „viel weiter“?

Dass in den Planungen bereits vorgesehen sei, das Neubaugebiet mit einer Ringstraße von der Emanuel-Felke-Straße zur Oberheidter Straße zu erschließen, lege den Schluss nahe, dass die Planungen schon „viel weiter vorangeschritten“ seien, „als man es uns glauben machen möchte“, und es auch schon einen Investor gäbe, befürchten die Anwohner. Das lege auch der Umstand nahe, dass ein Spielplatz auf dem Grundstück eingerichtet werden solle, die Stadt für eine Kindertagesstätte aber keinen Bedarf sehe.

„Das Cronenberger Stadtbild ist durch ein Gemengelage geprägt, wo Gewerbe und Wohnbebauung Tür an Tür existieren“, stellen die Anwohner in ihrem Bürgerantrag heraus. „Das ist bedarfsgerecht – diese Struktur bietet Arbeitsplätze und kurze Wege.“