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08.04.2019, 19.46 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Vom Winde verweht“: CFG-Stratosphären-Ballon kam nicht weit

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Die „Ballonfahrer“ Benjamin Frost (2.v.l.) und Hendrik Tackenberg mit den CFG-Lehrern Michael Winkhaus und Thomas Daniels (re.). Ihr zweiter Anlauf am 8. April klappte übrigens reibungslos – der Ballon stieg sicher auf und kam auch heil wieder runter… -Foto: Meinhard Koke

Sie hatten wochenlang getüftelt, für die Messtechnik am schuleigenen 3-D-Drucker ein Behältnis gedruckt, extra eine App entwickelt und in den letzten Tagen sogar bis in die Nacht hinein die letzten Vorbereitungen getroffen. Am 2. April war der große Augenblick dann da: Benjamin Frost und Hendrik Tackenberg, angehende Abiturienten des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG), befüllten ihren Stratosphären-Ballon auf dem Westhof des Schulzentrums Süd mit Helium, um ihn etwa 35 Kilometer hoch in die zweite Schicht der Erdatmosphäre (Stratosphäre) steigen zu lassen.

Während des Fluges sollte die Messeinrichtungen Daten zu Temperatur, Luftdruck und Radioaktivität oder mit drei Kameras auch Bilder und Videos aufnehmen, nach etwa drei Stunden sollte der Latex-Ballon dann seine maximale Ausdehnung von zwölf Metern erreicht haben, zerplatzen und in rund 180 Kilometer Entfernung über dem Habichtswald bei Kassel an einem Fallschirm niedersinken.

Da mit einem Positionsmelder ausgestattet, sollte die Flugstrecke über die gesamte Zeit verfolgt werden können, dank der App und eines QR-Codes hätte jeder Interessierte dem Stratosphären-Ballon auf den Fersen bleiben können. Lehrer Thomas Daniels wollte dem Ballon an seinem freien Tag mit seinen beiden Informatik-Schülern im Auto hinterherfahren, um diesen dann am Landeort zu bergen und zurück nach Küllenhahn zu bringen. Natürlich lag die Genehmigung der Bezirksregierung vor, auch war der Flug mit einer Versicherung über 1,5 Millionen Euro abgesichert, für den Fall, dass die Styropor-Box jemandem auf den Kopf fallen würde.

So die Planungen, doch dann zerplatzte der Projekt-Traum der CFG-Schüler schon nach wenigen Metern. Alles hatten Benjamin Frost und Hendrik Tackenberg zuvor bedacht, nur offensichtlich den Wind an diesem Dienstagmorgen hatten sie nicht „auf dem Schirm“: Als sie den Ballon losgelassen hatten, wurde er „vom Winde verweht“ und die etwa 20 Meter lange Leine mit der Mess-Box daran verfing sich in einem Schulhof-Baum. Als der Ballon aus dünnem Latex von den Ästen zerfetzt wurde, stand die Enttäuschung den beiden Gymnasiasten förmlich ins Gesicht geschrieben.

Die Enttäuschung legte sich jedoch schnell, denn das immerhin rund 1.500 Euro teure Projekt, für das CFG-Lehrer Michael Winkhaus die Stiftungsgelder vermittelt hatte, war mit dem Fehlversuch keineswegs geplatzt. Zumal die Messtechnik in der Styroporbox sicher untergebracht war und die Helium-Flasche nicht leer war, galt es für Benjamin Frost und Hendrik Tackenberg „nur“ einen neuen Ballon zu „organisieren“ – bereits am heutigen Montag, 8. April, starteten sie einen zweiten Anlauf.

Diesmal von einem besseren Startplatz aus, dem Dach des Schulzentrums, das hatten die beiden CFG-Informatiker aus ihrem Fehlversuch gelernt. Und zum Lernen ist Schule ja eben da…!