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10.10.2019, 15.02 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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„Küllenhahner Lädchen“: Glücksbringer WestLotto als Pechbote?

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Bürgervereinschef Michael Ludwig (re.) unterstützt die Unterschriften-Aktion der Kunden von Baschdar Schewan. Jürgen Kaschel (mi.) unterschrieb sie auch – „das ist doch überhaupt keine Frage“, sagt der Küllenhahner, obgleich er noch nie etwas beim Lottospielen gewonnen hat… | Foto: Meinhard Koke

Stellen Sie sich vor, Sie machen sich selbstständig und dann sagt Ihnen jemand: „Tut uns leid“ und macht Ihnen einen Teil Ihres Geschäfts kaputt. So sieht es aktuell an der Küllenhahner Straße 214 aus: Anfang September haben hier Benar und Bashdar Schewan das „Küllenhahner Lädchen“ übernommen (die CW berichtete). Die Menschen im Ortsteil freute das, denn das kleine Geschäft mit dem großen Angebot von Snacks bis Zeitschriften, von Tabakwaren bis DHL-Service und Schreibwaren ist eine Institution. Das junge Ehepaar mit zwei Kindern wagte voll motiviert den Sprung in die Selbstständigkeit, will sein Service-Angebot sogar erweitern, erhielt nach wenigen Tagen aber eine Hiobsbotschaft: Ausgerechnet WestLotto, der landeseigene Glücksbringer, droht den Schewans Unglück zu bringen.

Denn die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG, die im staatlichen Auftrag in NRW allerlei Glücksspiele wie Lotto, Toto, Glücksspirale, Super 6 oder Rubbel-Lotterien & Co. anbietet, hat den Lädchen-Inhabern mitgeteilt, dass es den Vertrag mit ihnen nicht verlängern will – der Umsatz am Küllenhahn sei zu gering. Für Benar und Bashdar Schewan brach damit eine Welt zusammen. Was ihnen vom Glück – oder auch Pech – anderer Leute bliebe, wäre zwar nicht „die Welt“. Allerdings lockt der Lotto-Service Kunden in ihren kleinen Laden: Wer sechs Richtige mit Zusatzzahl und Superzahl tippt, gönnt sich mitunter auch einen Snack, kauft die Zeitung oder holt sich die Schachtel Zigaretten dazu – nun fahren die Lotto-Kunden am Lädchen vorbei und geben ihre Tipps woanders ab.

Die Küllenhahner lassen die Schewans mit ihren WestLotto-Unglück aber nicht im Regen stehen: Kunden des „Lädchens“ starteten eine Unterschriften-Aktion – ihre Forderung: Die Millionen-Gewinne vom Küllenhahn dürften nicht „verschoben“ werden, unter der Überschrift „Lotto im Lädchen muss bleiben“ fordern sie von WestLotto eine Rücknahme der Entscheidung. Und auch der Bürgerverein Küllenhahn solidarisierte sich mit den Inhabern: In einem Rundbrief an seine 500 Mitglieder rief Bürgervereinsvorsitzender Michael Ludwig die Vereinsmitglieder auf, die Liste zu unterzeichnen: „Zeigt bitte, dass wir Küllenhahner zusammenhalten, unterstützt das Lädchen mit einer Unterschrift und gelegentlichen Einkäufen“, appelliert Bürgervereinschef Ludwig.

Baschdar Schewan freut sich über die Solidarität, zumal er die WestLotto-Entscheidung nicht verstehen kann. Seine Vorgänger, berichtet der 38-Jährige, hätten ihm bestätigt, dass die Lotto-Umsätze des Lädchens über denen lägen, welche WestLotto als Mindestumsatz fordere – insofern hofft die junge Familie, dass der NRW-Glücksbringer seine Entscheidung wieder rückgängig macht. Für die Schewans wäre das zwar kein Millionen-Gewinn – aber fünf Richtige plus Zusatzzahl sind ja auch schon was, zumal wenn ein ganzer Ortsteil was davon hätte…

Update:
Nach einem zwischenzeitlichen Gespräch mit WestLotto hat Bashdar Schewan die Einladung zu einer Schulung erhalten – voraussichtlich ab November kann an der Küllenhahner Straße also wieder getippt werden…

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