Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

26.02.2020, 15.09 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Cronenberg hat die schlimmsten Buckelpisten in ganz NRW

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Im Februar 2020 machte Wuppertal mal wieder Negativ-Schlagzeilen: Die Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpa) bescheinigte, dass Wuppertal die schlechtesten Straßen im Lande hat. Für die Fahrbahnen in der bergische Metropole konstatierten die Prüfer aus Herne den „höchsten Anlagenabnutzungsgrad“ in ganz Nordrhein-Westfalen, in keiner der 22 kreisfreien Städte an Rhein und Ruhr sei der Straßenzustand schlimmer.

Wenn‘s stimmt, dann avanciert Cronenberg zum Geländewagen-Mekka in NRW, denn dann müsste sich das Dorf des traurigen „Prädikats“ rühmen, die allerschlechstesten Straßen in ganz Nordrhein-Westfalen zu haben. Bereits im September 2019 berichtete die CW zu einer Zustandserfassung der Wuppertaler Straßen. Die hatte ergeben, dass 41 Prozent der Cronenberger Pisten marode und Maßnahmen hier längst fällig beziehungsweise sogar schon überfällig sind– schlimmer geht’s nimmer in der Stadt. Nicht gerade gut sieht’s zwar auch anderswo in Wuppertals aus: Hier sind allerdings „nur“ rund 30 Prozent der Straßen in einem schlechten bis sehr schlechten Zustand.

Wie Stefan Lederer, der Leiter des städtischen Straßen-Ressorts, daraufhin in der Oktober-Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg erläuterte, erreichen die Dörper Straßen im Stadtvergleich auf einer Skala von 1 bis 8 nur die Note 5. Der Wuppertaler Durchschnitt liegt derweil bei „4“, kein Wuppertaler Stadtteil kommt auf eine Note zwischen 1 und 3. Kein Wunder: Schließlich konstatieren die gpa-Prüfer, die seit 2003 als Teil der Landesaufsicht über die Kommunen in Nordrhein-Westfalen deren Wirtschaftlichkeit und Rechtmäßigkeit überprüfen sowie die Städte und Kreise auf Wunsch beraten, noch etwas zu den „Wuppertaler (Straßen-)Verhältnissen“: Und zwar, dass die Stadt viel zu wenig Geld in den Unterhalt ihres Straßennetzes steckt und die Reinvestitionsquote sogar nur etwa bei einem Viertel des gpa-Richtwertes liege – das Wuppertaler Straßennetz wird also auf Verschleiß und das Straßennetz also systematisch kaputt gefahren. Wobei: Die Fahrbahnen im Tal sind besser, Rand-Stadtteile wie Cronenberg werden offenbar vernachlässigt.

Zwar ist das städtische Budget für Straßenerneuerungen mittlerweile von zwei auf fünf Millionen Euro erhöht worden. Für substanzielle Verbesserungen sind laut Stadt aber etwa 24 Millionen Euro jährlich notwendig. Immerhin: Von den fünf Millionen jährlich sollen etwa 500.000 Euro in Reparaturen von Dörper Straßen fließen. Ein Ingenieurbüro wurde damit damit beauftragt, die Kosten für Cronenberger Straßenprojekte zu ermitteln, die Stadt wird auf Wunsch der Bezirksvertretung (BV) eine Prioritätenliste erstellen. Ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein: „Wir sehen auf Jahre kein Licht am Ende des Tunnels in Cronenberg…“, stellte CDU-Vizebürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky im Oktober 2019 resigniert fest.