Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

18.08.2020, 19.54 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Peter Vorsteher: Ein „(Polit-)Hans-Dampf“ verabschiedet sich

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Peter Vorsteher hat sich in den vergangenen rund 40 Jahren vielfältig engagiert. Zukünftig soll das Privatleben mit Lebensgefährtin, Hund und Wohnmobil stärker zum Zuge kommen… | Foto: Meinhard Koke

Langjähriger Dörper Grünen-Ratsherr und Bürgervereinsvorsitzender kandidiert nach fast 40 Jahren in der Kommunalpolitik bei der Wahl im September nicht erneut.

Er ist ein „Dino“ der (Cronenberger) Kommunalpolitik: Peter Vorsteher ist seit rund 37 Jahren auf der politischen Bühne in Wuppertal aktiv. Nun tritt er ab: Zur kommenden Kommunalwahl am 13. September 2020 kandidiert der Grünen-Politiker nicht erneut. „Ich will nicht rausgetragen werden“, begründet der 64-Jährige seinen Rückzug. Zumal das Feld im Dorf bestellt sei: Mit Paul-Yves Ramette als seinem Nachfolge-Kandidaten im Wahlkreis Cronenberg-Nord sowie Dagmar Liste-Frinker als Kandidatin in Cronenberg-Süd „haben wir Top-Leute, die nachrücken“, so Peter Vorsteher.

So etwas wie ein „Nachrücker“ war auch Vorsteher selbst einmal: Seine Polit-Karriere begann der gelernte Werkzeugmacher, der als Regierungsbeschäftigter bei der Polizei tätig war, zunächst bei der FDP. Bis 1994 saß der gebürtige Langerfelder für die Liberalen im Rat. Aus Protest gegen die, wie er sagt, neoliberale Politik der damaligen FDP-Bundesspitze Lambsdorff/Bangemann kehrte Vorsteher den Freidemokraten dann den Rücken.

Von der FDP zu den Grünen gewechselt

Die Auszeit währte nur vier Monate: Er sei darauf angesprochen worden, erinnert sich Vorsteher, im April 1995 trat er den Grünen bei. Hier fand der Ex-Liberale seine politische Heimat, in den folgenden 25 Jahren wurde Peter Vorsteher zu einer der prägenden Figuren der Öko-Partei im Tal. Anfang 2000 zog er wieder in den Rat ein, bereits im Mai wählten die Grünen ihn zu einem der Sprecher ihrer Ratsfraktion. 14 Jahre lang hatte „Realo“ Vorsteher anschließend diesen Spitzenposten inne – keine Selbstverständlichkeit bei den „diskussionsfreudigen“ „Ökos“…

„Vernetzung“ war in den folgenden 20 Jahren ein Credo Vorstehers: Er gehörte nicht nur elf Jahre lang als Wuppertaler Vertreter der VRR-Verbandsversammlung an, saß im Bergischen Rat, war Grünen-Sprecher in der Bezirksvertretung Cronenberg, ist noch Vorsitzender des Sportausschusses und sitzt im Beirat des Tanztheaters Pina Bausch sowie im Aufsichtsrat Bühnen und, und, und…

Auch ehrenamtlich ein „Hans Dampf“

Aber Vorsteher war und ist auch abseits der Politik ein „Hans Dampf in vielen Gassen“. Er war zehn Jahre lang Vorsitzender der Sektion Barmen des Deutschen Alpenvereins, Mitgründer und zeitweiliger Vorsitzender des Jugendhauses Cronenberg und, und, und war sieben Jahre Vorsitzender des Bürgervereins Küllenhahn im Dörper Norden und ist seit mittlerweile fünf Jahren Chef des Bürgervereins „Sudbürger“ im Cronenberger Süden – ein Kunststück, noch dazu als derzeitiger Südstädter…

Den Sudbürger-Vorsitz möchte Vorsteher im nächsten Jahr in jüngere Hände geben, nach zwei Jahrzehnten vieler Sieben-Tage-Wochen soll spätestens dann sieben Tage die Woche mehr Entschleunigung Trumpf sein. Seit der Pensionierung nach 49 Berufsjahren steht ein Wohnmobil vor der Haustür – gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin soll damit nun Deutschland abgefahren werden. Und wenn Corona es wieder zulässt, geht’s vielleicht sogar mal Richtung Kreta: Die Lieblingsinsel mal kreuz und quer abzufahren, das wäre was – ein Buch dazu hat sich Peter Vorsteher schon zugelegt…

Kleine Höhe und Belzer-Gelände als „Abschiedsfreuden“

Mit Wehmut verabschiedet sich Peter Vorsteher nicht aus der Politik: Dass eine Bebauung der „Kleinen Höhe“ in seiner letzten Sitzung des Stadtrates „beerdigt“ wurde, „war für uns Grüne und auch mich persönlich ein sehr schöner Tag“. Ebenso freut Vorsteher, dass der Verkauf der Belzer-Teilfläche an die Firma Knipex (die CW berichtete) auf die Zielgerade eingebogen ist: Dafür habe er sich jahrelang eingesetzt, Akteneinsicht genommen und „pausenlos“ als Grünen-Sprecher im Finanzausschuss „geknetet“ – „es ist ein freudiger Meilenstein für mich, dass Knipex als Top-Arbeitgeber jetzt wohl zum Zuge kommen kann und zeigt zugleich, dass man bei der Stadt mitunter dicke Bretter bohren muss“.

Meilensteine: Kohlekraftwerk und Historische Stadthalle

Zwei weitere persönliche „Meilensteine“ hat Vorsteher in seinem Notizbüchlein zum Gespräch mit der CW vorab notiert: Als ökologisch wie wirtschaftlich unrühmliches Kapitel hat Vorsteher dort den WSW-Einstieg ins Kohlekraftwerk Wilhelmshaven eingetragen – „das war eine absolute Fehleintscheidung, die Millionen fehlen nun für den ÖPNV“, unterstreicht Vorsteher, dass die Grünen und er als Aufsichtsrat der Stadtwerke stets gegen den millionenschweren Einstieg gewesen seien. Als „das Schönste“ in seinem Polit-Leben indes bezeichnet Vorsteher die Sanierung der Historischen Stadthalle, für die er noch als damaliger FDP-Ratsherr stimmte: Diese 80 Millionen D-Mark seien gut angelegtes Geld gewesen – „das Gegenteil von Wilhelmshaven“, so Vorsteher.

Mehr Miteinander: Mahnung an Stadt und Bezirksvertretung

Und auch zwei Wünsche für die „Nach-Vorsteher-Zeit“ hat der scheidende Ratsherr in seinem Büchlein aufgeschrieben. „Die Zusammenarbeit zwischen den Dezernenten muss deutlich besser werden“, fordert der Grünen-Politiker. Zum Beispiel zum Langzeit-Thema „Sporthalle Cronenberg“ habe es bislang keine Kooperation der Geschäftsbereiche Jugend/Schule beziehungsweise Sport/Kultur gegeben – „da muss man sich auch einmal zusammentun und gucken, wie Probleme aus der Welt geschafft werden können“, findet Peter Vorsteher.

Auch der künftigen Bezirksvertretung Cronenberg schreibt Vorsteher eine Hoffnung ins Gebetbuch. Man dürfe nicht immer nur draufhauen, sondern sollte gemeinsam mit der Verwaltung etwas für Cronenberg entwickeln: „Wenn man immer nur draufhaut, bekommt man nichts“, glaubt der scheidende Politiker, „Gemeinsam“ müsse vielmehr das Ziel sein. Als beispielhaft benennt Vorsteher den Kurs der Dörper Bürgervereine – „die arbeiten besser und zukunftsorientierter mit der Stadt zusammen…“