Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

24.02.2021, 19.22 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Online-Karneval: Rufe nach Wiederholung – „wehe, wenn nicht…!“

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Stilecht in der rot-weißen Uniform der Bergischen Garde, die sie mit gegründet haben: Dominik Capozzoli und Sven Steup (re.). | Screenshot YouTube

1. Cronenberger Prunksitzung: Zuschauer von Norddeutschland bis Niederbayern an den Laptops und Tablets sowie Forderungen nach einem Karnevalszug durchs Dorf und einer Wiederholung.

In Cronenberg gab’s keinen Karnevals-Lockdown, ganz coronakonform stieg am Karnevalssamstag, 13. Februar 2021, die 1. Cronenberger Online-Karnevalssitzung. Unter der Überschrift „Et Dorp is jeck“ hatten der RSC Cronenberg und das Gesundheitsstudio „FÜHLBAR fit“ die virtuelle Prunksitzung auf die Beine gestellt und die Zuschauer wurden rasch „närrisch“: Der Stream aus dem Online-Gürzenich, dem „FÜHLBAR fit“-Studio an der Hauptstraße 49, war im vollen Gange, da wurden im Live-Chat Rufe nach dem 1. Cronenberger Karnevalsumzug und einer „richtigen“ Prunksitzung 2022 laut – „die nächste legendäre Veranstaltung im Dorf nach Kiste und Feuerwehrfest“, wurde vorhergesagt.

Die Zuschauer-„Raketen“ bewiesen: Sitzungspräsident Sven Steup, durch sechs Online-Studiokonzerte in Sachen Streaming mittlerweile erprobt, und sein „Hofmarschall“, Dominik Capozzoli vom RSC, hatten mit der jecken Online-Sitzung einen Nerv getroffen: „Endlich wieder Stimmung em Dorpe!“ oder „Das hat Cronenberg gebraucht und verdient!“, hieß es im Chat – „hey Dorp, du bes e Jeföhl“, zeigte sich eine Närrin berührt, ein anderer Jeck war sogar richtig gerührt: „fang gleich an zu weinen…“.

Cronenberg-Comeback: „Der Hamer ist der Hammer…!“

Von Bremen über den Katernberg bis nach Niederbayern waren die Monitore und Tablets eingeschaltet, als nach virtuellem Konfettiregen und Tusch die „Cranger Gaudibuam“ die Online-Sitzung eröffneten. Das Duo, das diesseits des Weißwurst-Äquators aus Castrop-Rauxel kommt, trat den Beweis an, dass sie sich zurecht als „kleinste Oktoberfest-Band der Welt“ bezeichnet – mit Stimmungsmusik pur brachten die Gaudibuam den Dörper Karneval auf Wies’n-Temperatur – „ich nehm’ auch einen Kurzen“, hieß es da im Chat und: „Schunkeln an alle – genial“.

Weniger laut, aber dafür umso hintersinniger stand anschließend Thorsten Hamer im Rampenlicht: Einst im TiC-Theater auf der Bühne, feierte Hamer in seiner Paraderolle als Heinz Ehrhardt sein Comeback im Dorf. Und er stellte unter Beweis, warum er in einer ARD-Sendung zum besten Imitator des 1979 gestorbenen Kult-Komikers gekürt worden war: „Der Hamer ist der Hammer“, hieß es aus dem Online-Publikum – ein dreifaches „Cronenberg Alaaf“ und den Sitzungsorden hatte sich Thorsten Hamer verdient, und Punschballen mit Kölsch hinter den Kulissen auch…!

Nach den Lachmuskeln wurden dann wieder die Tanzbeine strapaziert: Lokalmatador Florian D. nutzte mit Karnevalshits und Stimmungsliedern seinen Heimbonus: „Der Florian hat es drauf“, wurde attestiert und unter anderem auch hochprozentig gedankt: „Hast einen Kümmerling gut bei mir – mega.“ Auch kamen bei dem Florian-D.-Auftritt wehmütige Erinnerungen an die Karnevalspartys im damaligen Sudberger Odenwaldhaus auf – eine „Rakete“ gab’s zum Dank dafür an die Adresse der „echten Stimmungskanone“.

Bevor beim Schlussauftritt von Florian D. dann eine Fata Morgana in Form von durchs Dorf rollender Kölschfässer gesichtet wurde, trat Jens Neutag in die Bütt: Der Kabarettist schwadronnierte über Placebo-Tierhaltung in bergischen Heimgärten, Schotter-Vorgärten oder auch die Evolution vom Faustkeil zum Wendehammer im Bergischen – zum Abschluss trat Neutag gemeinsam mit seinen „Talfahrt“-Kollegen Jürgen H. Scheugenpflug und Ulrich Rasch als „Höhne-Peoples“ aufs Stimmungs-Gaspedal. Ihr „Wenn die Möhnen sich einen dröhnen…“ war der rechte Steilpass: Beim Stimmungsfinale mit Florian D. wurde im Chat ebenso ein „Kölsch-Lieferdienst für alle“ wie eine Polonäse durchs Dorf angeregt.

Forderung nach Wiederholung: „wehe, wenn nicht…!“

Aus Radevormwald erscholl ein dreifaches „Rade Rade Alaaf und die Präsidentin der dortigen Karnevalsgesellschaft postete dankbar: „Ihr habt meine Karnevalsseele gerettet.“ Die Euphorie konnte auch Dominik Capozzolis Interpretation des Bläck-Fööss-Evergreens „En unserem Veedel“ nicht mehr trüben: Für „Cappo“ gab es nicht nur eine goldene Recall-CD, der Chat lief auch zur Höchstform auf. „Lass‘ uns Wagen bauen“ hieß es dort, während besagte RKG-Präsidentin für einen Dörper Karnevalszug bereits zusagte: „Ihr bekommt Besuch aus Remscheid und Radevormwald – das verspreche ich Euch als Präsidentin.“

Auch wenn seit Aschermittwoch wieder alles vorbei ist, für den RSC Cronenberg und „FÜHLBAR fit“ geht’s jetzt erst richtig los. Aus dieser Nummer kommen beide nicht mehr raus, ob online oder (hoffentlich) wieder in einer vollen RSC-Halle, es muss eine 2. Cronenberger Karnevalssitzung geben – „wehe, wenn nicht…“, machte jedenfalls ein Online-Jeck im Chat schon einmal „leicht“ Druck…!