Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

26.03.2021, 17.51 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Schnelltests oder Lockdown? Wuppertal geht Shoppen-mit-Test-Weg

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Update (27.3., 16.33 Uhr):
Wie die Stadt mitteilt, hat das Land dem Antrag Wuppertals zugestimmt: Ab kommendem Montag, 29. März 2021, kann damit in den Geschäften in der Stadt weiter überall direkt eingekauft werden per „Click & Meet“, also mit Termin, und mit einem negativen Schnelltest vom gleichen Tag. Wie bereits berichtet (siehe unten): Um einen Lockdown der Geschäfte abzuwenden ermöglicht das Land Städten mit einer Inzidenz über 100 diese Shoppen-mit-Test-Alternative – der Krisenstab hatte gestern erwartet, dass die Wuppertal-Inzidenz am heutigen Samstag über 170 steigen würde.

Ohne Schelltest per Click & Collect einkaufen

Die Stadt betont, dass es natürlich auch ohne Schnelltest möglich ist, in den Wuppertaler Geschäften per „Click & Collect“ zuvor Bestelltes abzuholen. Im Lebensmittelhandel kann derweil weiter ohne Schnelltest direkt eingekauft werden. Mit negativem Schnelltest und Termin bleibt auch der Besuch von Museen möglich. Der Zoo indes darf auch ohne Schnelltest, aber mit Terminreservierung besucht werden.

Kontakt-Beschränkungen bleiben in Kraft

Laut Stadt dient die Schnelltest-Variante nur zum Erhalt des Status quo, alle bestehenden Wuppertaler Beschränkungen bleiben also in Kraft. Dazu zählt auch die Kontakt-Beschränkung auf eine Besuchsperson je Haushalt (außer Kinder unter 14 Jahren). Schnelltests sind für jeden Bürger einmal in der Woche bei Vorlage eines Ausweises kostenlos, bei höherer Verfügbarkeit auch öfter. Der Cronenberger Coronatest-Container“ an der Cronenberger Straße 254 ist unter wuppertal-coronatest.de erreichbar, eine Übersicht der weiteren Schnelltest-Möglichkeiten gibt es auf der Homepage der Stadt www.wuppertal.de.

„Wir danken dem Ministerium für seine schnelle und konstruktive Entscheidung“, kommentieren Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Krisenstabsleiter Johannes Slawig das grüne Licht aus Düsseldorf: „Mit dieser Unterstützung können wir es unseren Einzelhändlerinnen und –händlern ermöglichen, in einem gut abgesicherten Modus Kunden mit negativem Schnelltest weiterhin in ihren Geschäften zu bedienen.

Update (18.37 Uhr):
„Genau für dieses Szenario hat sich Wuppertal sehr gut aufgestellt“, mit diesen Worten kommentieren Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Krisenstabsleiter Johannes Slawig die Entscheidung, dass die Stadt ab kommendem Montag den „Shoppen-mit-Test-Weg“ gehen will.

„Wir verfügen über ein flächendeckendes Angebot von rund 100 beauftragten Schnelltestzentren“, erläutern OB und Krisenstabs-Leiter: „Wir können es daher verantworten, trotz des besorgniserregenden Inzidenzwertes von über 170 (prognostiziert für morgen Samstag, 27. März), in Wuppertal die Geschäfte und Museen mit dieser zusätzlichen Absicherung geöffnet zu lassen.“

Keine Lockerungen, nur Status quo

Schneidewind und Slawig begrüßen die vom Land geschaffene Option dafür ausdrücklich und betonen: Anders als beim Tübinger Modell gehe es in Wuppertal nicht um zusätzliche Lockerungen, etwa für Konzerte oder Sportveranstaltungen, sondern ausschließlich um den Erhalt des Status quo. Beide unterstreichen, dass die Genehmigung des Landes die Voraussetzung für das Wuppertaler Vorgehen sei – die Stadt hofft, die Genehmigung am Wochenende zu bekommen.

Ob der kritischen Entwicklung des Infektionsgeschehens hat der Krisenstab entschieden, dass die bestehenden Wuppertaler Beschränkungen, die teilweise über die des Landes hinausgehen, weiter gelten sollen. Dazu zählen die Begrenzung der Höchstzahl bei Trauungen auf fünf und bei Beerdigungen auf 25 Personen, die Beschränkungen für private Zusammenkünfte oder auch das Verzehr-Verbot auf Kinderspielplätzen für Kinder und Personen ab sechs Jahren.

Zuversicht für Wuppertal als Modell-Region

Wuppertals Gesundheitsdezernent Stefan Kühn betont derweil, dass die Situation in Wuppertal kritisch bleibe: Ein Fallanstieg von 32 Prozent in einer Woche sei erschreckend – „weitere Öffnungswünsche sind leider derzeit indiskutabel“. Zum Thema „Modell-Regionen“ zeigt sich die Stadt-Spitze zuversichtlich: „Nicht nur durch unsere flächendeckenden Schnelltest-Angebote, innovative Wuppertaler App-Entwicklungen und den Corona-Monitor unseres Gesundheitsamtes, sondern auch als Hochburg der Event-Branche bringt Wuppertal alle Voraussetzungen dafür mit“, glaubt OB Uwe Schneidewind.

Erstnachricht:
Wie berichtet:
Mit der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes gilt zwar ab Montag, 29. März 2021, in Kommunen mit Inzidenzen, welche drei Tage hintereinander über 100 liegen, eine Notbremse. In Wuppertal, wo die Inzidenz nun schon seit zwei Wochen über 100 liegt, müssen die Geschäfte dennoch nicht automatisch schließen.

Denn das Land lässt den Städten mit „Notbremse“-Inzidenzen die Wahl: Sie können einen strengen Lockdown verordnen oder die Öffnungen beibehalten. Die Bedingung: Das Shoppen (außer in Geschäften, die Waren des täglichen Bedarfs verkaufen, wie Lebensmittel, Dogerien, Blumenläden etc.) ist nur mit Termin sowie mit einem tagesaktuell negativen Schnelltest erlaubt. Welchen Weg Wuppertal einschlägt, beriet am heutigen Freitag-Nachmittag, 26. März, der Krisenstab der Stadt.

Krisenstab beantragt Ausnahmegenehmigung für Wuppertal

Keine Überraschung: Zumal sich Wuppertal als eine NRW-Modellregion beworben hat, in der Öffnungen in Kombination mit Testkonzepten und digitaler Kontaktnachverfolgung erlaubt werden sollen, hat sich der Krisenstab für die Test-Strategie entschieden: Eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für Hotspots will die Stadt noch am heutigen Freitag beim Land beantragen.

Wenn das NRW-Gesundheitsministerium sein grünes Licht dazu gibt, darf in den Wuppertaler Geschäften also ab Montag weiter eingekauft werden – allerdings mit Negativ-Schnelltest und Termin. Auch Museen, der Zoo oder auch Ausstellungen in Wuppertal können mit dieser Kombination weiter besucht werden.

NRW-Handelsverband begrüßt Schnelltest-Termin-Option

Der NRW-Handelsverband (HV NRW) zeigt sich in einer Mitteilung indes erleichtert, dass mit der neuen Corona-Schutzverordnung nicht automatisch ein neuer Lockdown greifen wird: Man sei froh, dass „als Maßstab das regionale Infektionsgeschehen anstelle eines Landesdurchschnitts Verwendung findet“, äußerte sich HV-NRW-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Achten zu der Möglichkeit, dass selbst in Städten mit Inzidenzen über 100 mit Termin und Negativ-Test weiter eingekauft werden darf.

Vorrangig müsse jetzt sein, dass mehr Tempo beim Impfen gemacht und die Testkapazitäten stärker ausgebaut werden, so Achten weiter: Nur so könne sichergestellt sein, dass auch in Kommunen mit Inzidenzen oberhalb von 100 ein geöffneter Handel mit Vorlage von Tests möglich bleibt.