Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

02.06.2021, 19.44 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Bauarbeiten gestartet: 50 Prozent Mehrkosten für Rettungswache

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An der Kemmannstraße haben die Bauarbeiten für die Rettungswache Cronenberg begonnen. Wie Thorsten Wagner, der zuständige Produktmanager vom Gebäudemanagement Wuppertal (GMW), berichtet, allerdings erst Vorarbeiten: Da die Baugenehmigung noch nicht vorliegt, läst das GMW das Areal erst baureif herstellen. Eine dabei entdeckte Asbest-Belastung wurde im Zuge dessen bereits entsorgt.

Wann die Baugenehmigung eingetroffen sein könnte, dazu mochte Thorsten Wagner keine konkrete Angabe wagen. Wohl aber dazu, wann die Rettungswache fertiggestellt sein soll: Nach 18-monatiger Bauzeit sollen die Rettungswagen nun Ende 2022 von der Kemmannstraße aus ausrücken. Ursprünglich war einmal geplant, dass die Rettungswache Mitte 2019 fertig sein würde, später wurde dann die Fertigstellung zum Jahreswechsel 2020/21 anvisiert (die CW berichtete).

Auf rund 2,2 Millionen Euro wurden die Kosten noch beziffert, als im Mai 2019 der Neubau der Rettungswache Kemmannstraße beschlossen wurde. Für die Errichtung des Gebäudes wurden dabei rund 1,9 Millionen Euro veranschlagt, der Kauf des Baugrundstücks von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) sollte mit 276.000 Euro zu Buche schlagen. Von einer „groben Kostendimension“, die nur „einer ersten strategischen Orientierung“ gedient haben soll, spricht das zuständige Gebäudemanagement Wuppertal (GMW) heute – eine „steigende Kostengenauigkeit“ ergebe sich „erst im Verlauf des Planungsprozesses“.

Gibt es nicht für Feuerwehren: Kein Modulbau möglich

Nicht nur besagte Kostengenauigkeit scheint nun höher, sondern damit auch die Kosten selbst: Auf 3,5 Millionen Euro beziffert das GMW nun die Kosten. Der Rettungswache- Bau an der Kemmannstraße wird also rund 1,3 Millionen Euro teurer – um mehr als die Hälfte. Der Hauptgrund für die Kostenexplosion: Die Rettungswache sollte ursprünglich als kostengünstiger Modulbau per Baukastensystem errichtet werden. Nur verschätzte sich das GMW mit diesem Plan offensichtlich gehörig, denn: Wie das Gebäudemanagement nun eingesteht, gibt es für die „Funktionalität der Feuerwehr“ gar keine geeigneten Module. Daher wird die Wache nun in Massivbauweise errichtet.

Bei der Kostenexplosion eher zu vernachlässigen sind weitere Zusatzkosten. Aber sie läppern sich: Die Photovoltaik-Anlage veranschlagt mit circa 22.000 Euro sowie die nun laut Ratsbeschluss geplante Dachbegrünung mit 35.000 Euro. Eine Geländeabfangung im steil ansteigenden Nordosten des Baufeldes kostet ungeplante 40.000 Euro. Die Entsorgung von kontaminiertem Boden und weiterer Bodenschichten schlägt mit zusätzlichen 190.000 Euro zu Buche. Schließlich kostet die Glasfaseranbindung 35.000 Euro und die Signalanlage zur freien Ausfahrt im Alarmfall wird auf 119.000 Euro Zusatzkosten beziffert. Macht summa summarum rund 440.000 Euro zuvor nicht berücksichtigter Kosten.

Weitere Mehrkosten durch Unwägbarkeiten bei Ausschreibungen

Nicht zuletzt ist laut GMW seit der ersten Kostenermittlung im Jahr 2018 der Baukostenindex um 7,5 Prozent gestiegen – und damit auch das Honorar der Fachplaner. Und das allein macht rund 15 Prozent des Gesamtbaubudgets aus. Aber das Ende der Fahnenstange scheint mit den Mehrkosten von rund 1,3 Millionen Euro eventuell noch immer nicht erreicht. „Angesichts der Unwägbarkeit der zu erzielenden Ausschreibungsergebnisse ist eine weitere Kostenentwicklung möglich“, lautet jedenfalls der Schlusssatz des GMW-Berichts zu der Kostenexplosion an der Kemmannstraße…!

Ausstattung & Finanzierung

An der Kemmannstraße sollen zwei Rettungswagen plus ein Reserve-Fahrzeug stationiert werden. Mit der Cronenberger Rettungswache soll die Einhaltung der vorgeschriebenen Hilfsfristen vor allem im Bereich Sudberg erreicht werden. Die Rettungswache soll zu 100 Prozent aus den Rettungsdienstgebühren finanziert werden. Nicht davon abgedeckt sind das Gründach sowie die Photovoltaikanlage, welche die Wache in der Kemmannstraße erhalten soll. Eine solche klimagerechte Ausstattung hatte der Rat für alle städtischen Neubauten beschlossen.