Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

21.06.2021, 18.49 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Netto-Neubau: „Großer Wurf“ statt nur „monofunktionale Kiste“

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Auf der Facebook-Seite der CW stieß die Animation der geplanten Bebauung auf große Beachtung. Die Reaktionen reichten von „Wow, das sieht ja klasse aus“ bis zu einem schlichten „grässlich“… | Animation: CEV-RATHKE-Architekten-BDA

Per Online-Präsentation vorgestellt: Statt eines üblichen Supermarkt-Flachbaus soll der neue Discounter-Markt an der Ecke Amboßstraße/Hauptstraße eine urbane Mischung aus Einkaufen, bezahlbarem Wohnen sowie einem Bäckerei-Café bieten.

Der lange geplante Umzug des Netto-Marktes (die CW berichtete mehrfach) von der Herichhauser Straße an die Ecke Amboßstraße /Hauptstraße wird nicht nur eine Standort-Verlagerung eines Discounters. Das Projekt an der Ortsmitte-Kreuzung würde das Entree zum Cronenberger Zentrum nachhaltig verändern. Das machte die Präsentation deutlich, bei der am Mittwoch in einer Video-Konferenz die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg über die Planungen informiert wurde. Nachdem zunächst nur für einen kleinen Kreis der Fraktionssprecher gedacht (siehe „Liebe Leser“ Ausgabe 24), lenkte die Stadtverwaltung ein – unter anderem auch die Presse durfte sich zu der Vorstellung der Planungen zuschalten.

Mietwohnungen von Wohnungsbaugenossenschaft

Warum man den Kreis der Teilnehmer vielleicht eher klein halten wollte, wurde rasch klar: Auf dem sogenannten „Schmitt-Gelände“ soll nicht nur ein 08/15-Supermarkt entstehen. Statt der üblichen quadratisch-praktischen Einheitsflachbauten für Supermärkte ist auf dem Areal am Cronenberg-Entree eine Mischung aus Einkaufen sowie Wohnen und Büros geplant, welche das Ortsbild an dieser Stelle prägen würde. Wie Markus Rathke vom renommierten Wuppertaler Büro Rathke Architekten anhand von „atmosphärischen“ Animationen erläuterte, sollen auf den Netto-Markt mit seinen etwa 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie einem angrenzenden Bau mit Bäckerei-Café jeweils Blöcke mit Mietwohnungen gesetzt werden.

In dem bis zu dreigeschossigen Komplex wären bis zu 34 Wohneinheiten möglich, es wird jedoch nur mit 28 Wohneinheiten geplant. Die Wohnungen sollen in Kooperation mit einer Wohnungsbaugenossenschaft errichtet werden – bezahlbare Mieten von etwa 8 Euro pro Quadratmeter sind laut Architekt Rathke damit angestrebt. Der Komplex zur Amboßstraße soll durchweg mit Gründächern, Tiefgarage sowie Balkonen beziehungsweise Terrassen für die künftigen Mieter ausgestattet sein, auf dem rückwärtigen Parkplatz sind Ladesäulen für Pkw und Fahrräder geplant – kurzum: die Animationen des Vorhabens vermittelten einen Eindruck von „schöner Wohnen und Einkaufen“ sowie urbanem Flair mitten in Cronenberg…!

Rechtsabbiegespur: Stadt zieht nicht Vorkaufsrecht

Die Anfahrten zu dem Netto-Areal sind über die Hauptstraße beziehungsweise über die Holzschneiderstraße vorgesehen. An der Ausfahrt Amboßstraße soll auf den letzten Metern – neben der Geradeausspur – eine separate Rechtsabbiegespur eingerichtet werden. Das ist eine Forderung von „Cronenberg will mehr“ und der Bezirksvertretung. Wie Architekt Rathke erläuterte, habe die Stadt dazu jedoch nicht von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht – daher werde man die Spur nun als „freiwillige Leistung“ einrichten.

Bezirksvertreter: Besser als erwartet, aber massiv

Die der Video-Konferenz folgenden Bezirksvertreter begrüßten die Pläne durchweg: „Das sieht schön aus“, befand zum Beispiel SPD-Sprecher Oliver Wagner, dass die Pläne „deutlich besser als befürchtet“ seien: „Aber das ist bei Präsentation ja immer so…“ Neben Anregungen zu Solaranlagen auf den Gründächern, einem Fahrradweg oder auch Abstellplätzen für Lastenräder wurden aber auch Bedenken geäußert: Ebenso wie Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD), die sich etwas über die Dimension erschrocken zeigte, befand auch Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) die Pläne als „massiv“. Das Vorhaben müsse mit den Planungen auf dem gegenüberliegenden Greis-Gelände, welches von zwei Cronenberger Unternehmern erworben worden war, „korrespondieren“ – von Wenczowsky: „Wir brauchen hier einen vernünftigen Übergang von alt nach neu.“

Auf dem sogenannten „Schmidt-Gelände“ im Hintergrund sowie umliegenden Grundstücken zwischen Haupt-, Amboß- und Holzschneiderstraße soll der geplante Kombi-Bebauung aus Netto-Markt, Bäckerei-Café, Büros und Wohnen realisiert werden. | Archiv-Foto: Meinhard Koke

Auf dem sogenannten „Schmidt-Gelände“ im Hintergrund sowie umliegenden Grundstücken zwischen Haupt-, Amboß- und Holzschneiderstraße soll die geplante Kombi-Bebauung aus Netto-Markt, Bäckerei-Café, Büros und Wohnen realisiert werden. | Archiv-Foto: Meinhard Koke

Wenn möglich Vorstellung bei Bürgerversammlung

Diese und weitere Anregungen beziehungsweise Bedenken können im Rahmen des Beteiligungsverfahrens eingebracht werden, dem sich das Projekt unterziehen muss. Hierzu soll auch, so das pandemiebedingt möglich sein sollte, eine öffentliche Bürgerinformation durchgeführt werden. Nach der Sommerpause im August sollen die Pläne in die politischen Gremien eingebracht und dann der Einleitungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gefasst werden.

Flammender Appell: „Das ist eine Chance für Cronenberg!“

Architekt Markus Rathke wehrte sich dagegen, dass der Netto-Riegel „ein Klotz“ sei: „Das ist keine preiswerte, sondern eine aufwändige Architektur“, warnte Rathke fast flammend davor, das Projekt nicht aufs Spiel zu setzen: „Diese Chance kommt nicht wieder.“ Man plane nun bereits zwei Jahre und sei viele Kompromisse eingegangen, unterstrich Rathke – „wir brauchen jetzt den positiven Rückenwind der Cronenberger!“ Den betreffenden Standort am Cronenberg-Eingang bezeichnete der Architekt als ein „jahrelanges Desaster“: „Cronenberg sollte das als Chance begreifen“, apellierte Markus Rathke: „Lassen Sie uns gemeinsam die Chance nutzen.“ Ins selbe Horn stieß Rüdiger Bleck von der Stadt: „Das ist keine flache, monofunktionale Kiste“, stimmte der Leiter des Ressorts Stadtentwicklung und Städtebau zu: „Das stärkt das Cronenberger Zentrum!“

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