Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

27.07.2021, 19.15 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

BV kontra WSW: Einlenken oder an Rottsiepen-Haltestelle vorbei?

Artikelfoto

Rechts hinter der umstrittenen Querungshilfe ist im CW-Bild die Haltestelle zu sehen, welche von den Linienbussen der Wuppertaler Stadtwerke zukünftig in Richtung Sudberg angefahren werden sollte. | Foto: Matthias Müller

In einer Sondersitzung beschäftigte sich die Bezirksvertretung Cronenberg erneut mit der von den Stadtwerken geplanten Linienweg-Änderung am Rottsiepen | Die BV lehnt den WSW-Plan weiter einstimmig ab.

Am Mittwoch, 21. Juli 2021, traf sich die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg zu einer Sondersitzung. Das Thema: Die geplante Linienweg-Änderung im Bereich Rottsiepen. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) wollen ihre Linienbusse in Richtung Sudberg ab dem Fahrplanwechsel zum 18. August nicht mehr den „Schlenker“ über Rottsiepen fahren lassen. Stattdessen sollen die Busse künftig eine Haltestelle in Höhe der Einmündung Rottsieper Höhe an der Berghauser Straße anfahren.

Das hatte für Kritik gesorgt: CW-Leser kritisierten die neue Haltestelle als gefährlich, weil sie an einer neuralgischen Fußgänger-Querung liegt. Auch sei der Bürgersteig im Haltestellen-Bereich zu schmal, die Verkehrssicherheit für die Schüler der Grundschule Rottsieper Höhe, aber auch der Senioren in dem Bereich, werde gefährdet – für eine Zeitersparnis von einer Minute! In der BV-Sitzung kam es zu einer Kontroverse mit den WSW: Die Bezirksvertretung lehnte die Stadtwerke-Pläne vor der Sommerpause einstimmig ab. Vom Tisch waren sie damit aber nicht, denn: Die BV konnte lediglich „Nein“ zur neuen Haltestelle sagen, zur Änderung des Linienwegs der Busse hatte sie kein Mitspracherecht, wie Ludwig Froning von WSW mobil und Stadtdirektor Johannes Slawig, Pate der Bezirksvertretung, in der Sondersitzung noch einmal unterstrichen.

Keine Einigung: Busse fahren ab Mitte August durch

Die Konsequenz hätte einen „Schildbürgerstreich“ provoziert, wie Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) erläuterte: Bliebe die BV bei ihrem „Nein“ und die WSW bei ihren Änderungsplänen gäbe es künftig keinen Halt mehr im Bereich Rottsiepen – die Busse führen dann eben durch! Deshalb die BV-Sondersitzung, seitens des Stadtteilparlamentes war aber keine Kompromissbereitschaft erkennbar: Einmütig wurden die Stadtwerke-Pläne unvermindert abgelehnt.

Fraktionsübergreifend wurde kritisiert, dass die WSW für eine geringfügige Zeitersparnis die Verkehrssicherheit von Grundschülern und Senioren opfern würden. Auch dass eine Entscheidung beziehungsweise ein Kompromiss her musste, da die nächste BV-Sitzung erst nach Schuljahresbeginn sein wird, konnte das Stadtteilparlament nicht erweichen.

BV bleibt einstimmig bei Nein zu WSW-Plan

Auf Anregung von Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) wurde die Sitzung unterbrochen, sodass sich die Fraktionssprecher in einem Nebenraum des Ratssaales absprechen konnten. Heraus kam man mit einem Antrag: Einstimmig wurde der Rat der Stadt aufgefordert, die Linienweg-Änderung zu kassieren, sodass die Busse wie gehabt weiterfahren würden: „Das ist für Cronenberg keine geringfügige Änderung“, fasste Von Wenczowsky die BV-Ablehnung zusammen. Die Verkehrssicherheit von Schülern und Senioren würde vielmehr für eine Minute Zeitersparnis gefährdet. Ihren Antrag verband das Stadtteilparlament mit dem Appell an die Stadtwerke, ihre Pläne zu überdenken. CDU-Fraktionssprecher Günter Groß brachte die Erwartungshaltung an die WSW auf den Punkt: „Sie haben ja die Möglichkeit, Ihre Maßnahme zu schieben oder zurückzunehmen.“

Am Sitzungsende: WSW-Signal des Einlenkens?

Bei Ludwig Froning von den WSW schien angesichts der „Beton-Haltung“ der BV Nachdenklichkeit eingesetzt zu haben: „Wir suchen den Kontakt, wir suchen das Gespräch“, versicherte der Stadtwerke-Vertreter – er nehme „das Stimmungsbild“ mit, man werde in Abstimmung mit der Stadt erneut prüfen…

Update: Stadtwerke lenken ein

Das taten die WSW zwischenzeitlich: Wie der Bezirksvertretung am gestrigen Montag, 26. Juli, mitgeteilt wurde, wird die umstrittene Linienweg-Änderung nicht zum Fahrplanwechsel am 18. August umgesetzt. Die Stadtwerke wollen zu dem Thema vielmehr erneut „zu gegebener Zeit auf die Stadtverwaltung und die BV zugehen“, heißt es in ihrer Mitteilung an das Stadtteilparlament.