11.05.2026, 20.01 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Retourkutsche“? Kündigung für kämpferische Mastweg-Mieterin

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Alexandra Majewski hält die fristlose Kündigung ihrer Wohnung in den Händen. Die Mastweg-Mieterin will sich dagegen mit anwaltlicher Hilfe wehren, Unterstützung sagte derweil die SPD Cronenberg zu. | Foto: Meinhard Koke

Im Frühjahr machte die Wohnanlage Mastweg 41–69 Schlagzeilen: Mieter protestierten gegen „menschenunwürdige Zustände“ in den Häusern. Von ausgefallenen Heizungsanlagen und Aufzügen, feuchten Wänden, Schimmel, maroden Balkonen, Rattenbefall und zahlreichen weiteren Mängeln in dem Hochhäuser-Block war die Rede. Kein Einzelfall: Im Internet finden sich Berichte über ähnliche Probleme in Häusern der Immobiliengesellschaft PropCo1 beziehungsweise der verwaltenden Balandra, so in Remscheid, Dorsten oder Berlin.

Im Februar: Entschuldigung für Unannehmlichkeiten
Nachdem Mastweg-Mieterin Alexandra Majewski und einige Nachbarn auf die Barrikaden gegangen waren, zeigte sich Balandra einsichtig: Über eine in der „Krisen-PR“ erfahrene Beraterin bat das Unternehmen „die betroffenen Mieterinnen und Mieter für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung“ (die CW berichtete). Zudem kündigte die Sprecherin gegenüber der CW an, man werde die betreffenden Objekte „Schritt für Schritt verbessern und nachhaltig für die Zukunft aufstellen“. Auch versicherte die PR-Beraterin, Mietern werde nicht gekündigt, wenn sie wegen zeitweiser Heizungsausfälle Mietminderungen vorgenommen hätten: „In besonderen persönlichen oder finanziellen Situationen suchen wir stets das Gespräch, um gemeinsam faire und tragfähige Lösungen zu finden“, hieß es.

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Ende April: Fristlose Kündigung zum 4. Mai
Knapp drei Monate später hat sich nach Darstellung von Alexandra Majewski wenig geändert: Feuchte Wände, Schimmel, marode Balkone und Rattenbefall – keine Verbesserungen. Aber das: Unter dem Datum vom 22. April erhielt die junge Mutter gleich zwei Einschreiben, sowohl von PropCo 1 aus Luxemburg als auch von Balandra aus Bochum: die fristlose Kündigung. Bis zum 4. Mai sollte sie ihre Wohnung geräumt haben. Der Grund für „den Rauswurf“: Mietrückstände.

Hintergrund: Rückstände oder Retourkutsche?
Eine Retourkutsche für den Protest im Frühjahr? Die Mastweg-Mieterin ist davon überzeugt. Zwar gebe es, so erläutert sie, „Lücken“ bei ihren Mietzahlungen. Wegen der anhaltenden Mängel habe sie in Absprache mit einem Anwalt Mieteinbehalte beziehungsweise Mietminderungen vorgenommen, um Vermieter und Verwaltung zur Beseitigung der Missstände zu bewegen. Auf eine Anfrage der CW reagierten PropCo 1 und Balandra bis heute nicht. Alexandra Majewski will sich derweil nicht „ins Bockshorn jagen“ lassen: Per Widerspruch und mit anwaltlicher Unterstützung will sie sich gegen die fristlose Kündigung wehren. 

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SPD: „Unterstützung für Mastweg-Mieter“
Unterstützung für die betroffenen Mieter am Mastweg hat die SPD Cronenberg zugesagt: „Vermieter müssen erreichbar sein und sich um Reparaturen und Instandhaltungen kümmern“, unterstreicht SPD-Vorsitzender Finn Glose in einer Mitteilung – bei der Balandra beziehungsweise der Eigentümergesellschaft PropCo1 Merlion sei „das offensichtlich nicht der Fall“: „Sie scheinen ihre Profitinteressen sehr deutlich vor die vertraglichen und gesetzlichen Pflichten gegenüber ihren Mietern zu setzen, Urteile zu ignorieren und unbequeme Mieter einzuschüchtern“, kritisiert Glose. Durch Gewinnmaximierung im Wohnungssektor sei Wohnen in Würde und Sicherheit als ein Menschenrecht bedroht.