20.07.2026, 19.14 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Nach Messer-Attacke: Spendenaktion für vierfache Mutter gestartet
Pfarrer Niklas Schier koordiniert für die Evangelische Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn die Spendensammlung für die vierfache Mutter Sabrina Aca, die Opfer eines Messerangriffs ihres Ex-Ehemannes wurde. | Foto: Meinhard Koke
Der 20. April am Mastweg – diese Tat erschütterte das CW-Land: Eine vierfache Mutter wurde niedergestochen und schwer verletzt (die CW berichtete). Der mutmaßliche Täter, der getrennt lebende Ehemann des Opfers, wurde noch am Tatort festgenommen. Fast drei Monate nach der Messer-Attacke ist für Sabrina Aca und ihre vier Kinder nichts mehr, wie es war. Die 32-Jährige überlebte den Angriff ihres Ex-Mannes schwer verletzt. Heute kämpft die junge Mutter nicht nur mit den gesundheitlichen Folgen der Tat, sondern auch mit den psychischen „Nachwehen“, finanziellen Sorgen und langen Wartezeiten auf dringend benötigte Unterstützung.
Ist es auch eine Form der Bewältigung? Sabrina Aca schaut offen auf den Tat-Tag zurück, der alles für sie und ihre vier Kinder veränderte: Ihr Ex-Ehemann (44), so schildert es die 32-Jährige der CW, habe ihr an der Bushaltestelle aufgelauert. Als sie mit ihrem Hund aus dem Haus kam, um eine ihrer Töchter von der Kita abzuholen, habe er sie abgepasst. Unter dem Vorwand, ein Geschenk für die Kinder dabei zu haben, habe er in seine Tasche gegriffen. Statt des vermeintlichen Präsents habe er ein Messer herausgeholt und mit einem Fleischermesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge auf sie eingestochen.
Seine Worte dabei, so erinnert sich Sabrina Aca: „Das sind meine Kinder.“ Sie habe weitere Angriffe abwehren können, erinnert sich die 32-Jährige. Dann habe ihr Ex-Mann von ihr abgelassen. Sie konnte sich in ein Gebüsch flüchten. Als Krankenschwester wusste sie, was zu tun war: Sie habe sich auf den Boden gelegt und die Wunde unterhalb des Herzens zugedrückt. Ihr Mann, so schildert es Sabrina Aca, habe sich zu ihr gesetzt, ihr erklärt, Ecstasy genommen zu haben, und gesagt: „Jetzt sterben wir beide.“ Es kam anders: Zwar bestand kurzzeitig Lebensgefahr, doch durch eine Notoperation und zwei weitere Operationen in der Bochumer Uniklinik konnte Sabrina Aca gerettet werden.
Drei Monate später: An Normalität nicht zu denken
Rund drei Monate ist das nun her. Ihr türkischstämmiger Ex-Mann sitzt in Untersuchungshaft, und Sabrina Aca ist wieder daheim bei ihren vier Kindern am Mastweg. Wenn man überhaupt von Normalität sprechen kann: Davon ist bei der jungen Frau, die zwischenzeitlich ihren 32. Geburtstag feierte, keine Spur. Ob gesundheitlich, finanziell oder psychologisch – nichts ist mehr so, wie es vor dem 20. April war. Aufgrund ihrer schweren Verletzung muss Sabrina Aca eine Bauchraumdrainage tragen; im August ist womöglich eine weitere Operation notwendig. Ihren neuen Job als Teilzeit-Krankenschwester konnte sie zum 1. Mai nicht antreten.
Psychologische Hilfe und Unterstützung fehlen
Ihren Haushalt kann sie nicht führen, weil sie sich nicht anstrengen darf – das übernehmen ihre Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Einkaufen, Wäsche waschen oder Autofahren – all das ist derzeit nicht möglich. „Mir geht’s nicht gut – ich fühle mich abhängig“, schildert die 32-Jährige ihre Lage. Mal gehe es ihr ganz gut, „mal breche ich zusammen“ – „ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann“. Was Sabrina Aca schildert, macht fassungslos: Psychologische Hilfestellung? Bislang Fehlanzeige. Angefragt beziehungsweise beantragt, aber selbst drei Monate nach der Tat habe sich noch kein freier Termin gefunden. Eine Haushaltshilfe? Ebenfalls beantragt, jedoch bislang ohne Ergebnis, berichtet die vierfache Mutter. Auch der Weiße Ring sei kontaktiert – auch dort gebe es Wartezeiten von Wochen oder Monaten. Zu alledem möchte die 32-Jährige besser heute als morgen umziehen. Sie fühlt sich in ihrer Wohnung nicht mehr wohl, die Familie des Täters wohnt in direkter Nachbarschaft.
Pkw kaputt: Welche Werkstatt kann helfen?
Hinzu kommt: Der Pkw steht kaputt in der Werkstatt, die Reparatur kann sich Sabrina Aca nicht leisten. Der Ehemann in Untersuchungshaft leistet keinen Unterhalt. Es dauerte immerhin bis Juni, bis die vierfache Mutter den ersten Unterhaltsvorschuss erhielt. „Ich drehe jeden Cent fünfmal um und versuche, die Kinder so gut es geht abzulenken“, berichtet die 32-Jährige: „Aber mit so wenig Geld ist das schwierig.“ Während viele in den Sommerferien ab dieser Woche in die Ferne verreisen, kann Sabrina Aca ihren Kindern kaum einen Besuch im Freibad Neuenhof bezahlen.

Möchte der vierfachen Mutter Sabrina Aca helfen: Nachdem sie es zunächst selbst in der Nachbarschaft am Mastweg vergeblich versuchte, hat Ines Aghai-Franke (li.) über die CW eine Spendenaktion für ihre Freundin initiiert, die Opfer einer Messer-Attacke ihres Ex-Ehemannes wurde. | Foto: Meinhard Koke
So viele Menschen hier, aber keine Hilfe…!
Ines Aghai-Franke, die über die Kinder im gemeinsamen Kindergarten mit Sabrina Aca befreundet ist, wollte helfen. Die Tat habe ihr den Boden unter den Füßen weggezogen, berichtet die Nachbarin. Als sie hörte, dass Sabrina Aca ohne Haushaltshilfe und psychologische Betreuung ist und zudem noch kein Unterhaltsvorschuss gezahlt worden war, startete sie spontan eine Spendenaktion. „Ich bin selbst alleinerziehend, ich weiß, wie das ist“, sagt Ines Aghai-Franke: „Mir tut das einfach leid.“ Sie klingelte am Mastweg an den Türen und sprach Passanten auf der Straße an – das ernüchternde Ergebnis: „Null Euro – dass ich nicht bespuckt worden bin, war alles“, berichtet die Freundin: „Hier wohnen so viele Menschen, aber keiner hilft.“
Gemeinde hilft und startet Spendenaktion
Ines Aghai-Franke ließ nicht locker, sondern wandte sich an die CW, die wiederum die Evangelische Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn ansprach. Ergebnis: Wie Pfarrer Niklas Schier mitteilte, beschloss das Presbyterium vergangene Woche, Sabrina Aca aus dem Diakoniefonds der Gemeinde in diesem Monat und im August jeweils finanziell zu unterstützen. Darüber hinaus wird die Gemeinde ihre Klingelbeutel-Kollekte im August für die junge Mutter vom Mastweg verwenden. Zudem startete die Gemeinde über die Online-Plattform GoFundMe eine Spendenaktion.
Stadt-Spitze sagt Unterstützung zu
Auch Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Sozialdezernentin Annette Berg, die Sabrina Aca unmittelbar nach der Tat mit Blumen und einem Brief ihre Anteilnahme ausgesprochen hatten, sagten gegenüber der CW ihre Unterstützung unter anderem bei der Wohnungssuche zu. Scherff und Berg haben den „Fall Aca“ an sich gezogen, damit die vierfache Mutter nicht weitere drei Monate auf Unterstützung warten muss…
Spendensammlung via GoFundMe
Jeder Euro ist willkommen – ebenso wie das Teilen der Spendenaktion. Die Spendenseite ist hier unter dem Link www.gofundme.com/f/hilfe-fur-sabrina-aca erreichbar. Wer Fragen hat, bar spenden möchte oder eine Spendenquittung benötigt (bei Spenden bis 300 Euro genügt der Kontoauszug als Nachweis), kann sich an die Gemeindebüros in Cronenberg oder Küllenhahn wenden – per E-Mail an prasch @ evv-wsg.de oder telefonisch unter (0202) 40 00 26. Auch eine Werkstatt, welche die Reparatur des Renault Traffic übernehmen/unterstützen könnte, kann sich gerne unter dieser Nummer melden.





