30.09.2026, 09.42 Uhr   |   Meinhard Koke   |   » Die CW bei Google als bevorzugte Quelle auswählen

Zwei Bühnen, ein Stück: „Kunst“ verbindet Schauspiel und TiC

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Freuen sich auf die Premiere der Gemeinschaftsproduktion am 2. Oktober: Thomas Braus, Noëlle-Magali Wörheide, Ralf Budde und Elisabeth Hummerich (v.l.). | Foto: Meinhard Koke

Ende Februar sah man ihn bei der Jubiläumsfeier „40 Jahre TiC-Theater“ im Atelier Unterkirchen: Auch Thomas Braus zählte zu der illustren Schar der Gäste, die zu dem Cronenberger Theater-Geburtstag gekommen waren. Nachträglich setzt der Intendant des Wuppertaler Schauspiels nun noch eine Kerze auf den Jubiläumskuchen drauf: Am 2. Oktober feiert mit der Komödie „Kunst“ ein Stück im Theater am Engelsgarten Premiere, das quasi ein Geburtstagsgeschenk an das TiC ist: die erste gemeinsame Produktion von Schauspiel Wuppertal und Cronenberger Theater.

Viele Verbindungen
„Wir haben schon vor langer Zeit darüber gesprochen“, erläutert Thomas Braus, dass die Idee länger in der Pipeline steckte. Zumal: Anknüpfungspunkte zwischen der Bühne im Tal und der auf der Höhe gibt’s reichlich! Mit Julia Meier zählt eine frühere TiC-Schauspielerin zum festen Ensemble am Engelsgarten, Stefanie Smailes steht dort regelmäßig zu „Nightradio“ auf der Bühne, nicht zuletzt wirkt TiC-Ensemblemitglied Elisabeth Hummerich als persönliche Referentin von Intendant Braus und in der Dramaturgie am Schauspiel. Umgekehrt stand Thomas Braus selbst in dem Stück „Der Kontrabass“ auch auf der Cronenberger Bühne, nicht zuletzt ging der Preis der Hartmut-und-Lore-Schuler-Stiftung im Jahr 2019 gemeinsam an TiC und Schauspiel – für die herausragende Arbeit beider Bühnen.

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„Nie als Konkurrenz gesehen“
„Wir haben uns nie als Konkurrenz verstanden“, unterstreicht Intendant Braus: „Wir sind zwei etablierte, sich ergänzende Theater.“ Und das zeigt sich auch in der Jubiläumsproduktion „Kunst“: Der Welterfolg von Yasmina Reza kommt auch ganz praktisch partnerschaftlich auf die Bühne. TiC-Co-Chef Ralf Budde führt Regie, Elisabeth Hummerich übernimmt die Dramaturgie. Alexander Peiler und Thomas Braus vom Schauspiel spielen an der Seite eines Urgestein des TiC-Theaters: Andreas Mucke besetzt die dritte Hauptrolle. Nebenbei: In der Zeit von Mucke als Wuppertaler Oberbürgermeister wurde Thomas Braus zum Intendanten berufen – nun stehen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne.

Welterfolg und „Mutter“ von Freundschaftskomödien
Und zwar in dem ebenso bitterbösen wie abgrundtief komischen Männer-Drama, das Yasmina Reza international bekannt machte und ihr zahlreiche Preise bescherte. In dem Kultstück ersteht Serge für stolze 200.000 Franc ein weißes Bild – mit weißen Streifen… Freund Marc ist das überhaupt nicht „grün“: so viel Weiß für zu viel Geld… Yvan versucht zwar zu vermitteln – vergeblich: die Männerfreundschaft schlägt mehr und mehr in Hass um… „Kunst“ kann als Mutter aller modernen Freundschaftskomödien gelten, die späteren Hits „Der Vorname“, „Der Nachname“ oder auch „Das perfekte Geheimnis“ eskalieren ähnlich…

„30 Jahre alt, aber aktueller denn je…“
Warum ist ausgerechnet „Kunst“ das Gemeinschaftsstück zum TiC-Jubiläum? Man habe nach einem Stoff gesucht, der für beide Häuser passt, der das Publikum von Schauspiel und zugleich TiC anspricht, erläutert Elisabeth Hummerich. Nicht zuletzt stehe der Erfolg, der nach seiner Uraufführung im Jahr 1994 in über 40 Sprachen übersetzt und landauf-landab gespielt wurde, aktuell nicht mehr so oft in den Spielplänen. Aber auch wenn „Kunst“ über 30 Jahre auf dem Buckel hat, findet es Regisseur Ralf Budde aktueller denn je: angesichts der verbittert-verbissenen Debattenkultur derzeit…! Die Kritik daran „ist in dem Stück in kluger und scharfer Weise angelegt“, erläutert Budde: „Das hat uns fasziniert.“

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Wenn das Lachen im Halse stecken bleibt…
Die sprachliche Eleganz, mit der „Kunst“ Abgründe von Beziehungen offenbart, unterstreicht Thomas Braus: „Da schauen wir heute noch einmal anders drauf als in den 1990er-Jahren.“ Das Kultstück provoziere zum Nachdenken darüber, wie man selbst mit Kunst umgeht, welche Haltung man zu ihr hat – „und was uns brodeln lässt“, ergänzt Elisabeth Hummerich: „Das lässt auch mich nachdenken und mich hinterfragen“, gibt Thomas Braus zu. Dabei fordere „Kunst“ den Zuschauer auf charmante Weise, findet Ralf Budde: „Man merkt es gar nicht, bis das Lachen im Halse stecken bleibt.“ Vor allem aber werfe das Erfolgsstück die Frage auf, was Kunst eigentlich ist und was sie soll – damit sei das Stück „Kunst“ genau das, was Kunst ausmacht…

Vom Engelsgarten an die Borner Straße und zurück
Nach der Premiere am 2. Oktober bleibt „Kunst“ zunächst bis zum Jahresende am Engelsgarten auf der Bühne, um dann Anfang 2027 an die Borner Straße 1 ins TiC zu wechseln und irgendwann zurück. Wie lange es im Spielplan bleibt, ist offen – solange es dem Publikum gefällt, so Thomas Braus… Dass es gefallen wird, davon zeigt sich Kostümbildnerin Noëlle-Magali Wörheide überzeugt: Vor 30 Jahren hat sie „Kunst“ in Berlin gesehen, erzählt sie: „Ich war sofort begeistert, als ich jetzt gefragt wurde“, freut sich die TiC-Kostümchefin auf ihre zweite Produktion am Engelsgarten.

„Das sollte man nicht verpassen“, ermuntert TiC-Chef Ralf Budde dazu, sich die „einmalige Produktion“ sowohl in Barmen wie an der Borner Straße anzuschauen: Ob hie oder da – „es lohnt sich“, verspricht Budde…! Karten gibt es via schauspiel-wuppertal.de/.