12.04.2019, 14.30 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wohnbau-Pläne an der Oberheidter Str.: Stadt ordnete Fällung an

Artikelfoto

Was wird aus dem Areal einer ehemaligen Sägen-Fabrik zwischen Oberheidter Straße und der Straße Häusgesbusch? Die Bezirksvertretung Cronenberg sprach sich für den Erhalt als Gewerbefläche aus. -Foto: Meinhard Koke

Wendung in Sachen Baum-Fällung an der Oberheidter Straße: Wie ein Eigentümer-Vertreter gegenüber der CW berichtete, wurde keineswegs „Tabula rasa“ rund um die ehemalige Sägenfabrik Baier gemacht, um damit dort Fakten für eine Wohnbebauung zu schaffen. Vielmehr kam die Anordnung zur Fällung der Fichten durch die Stadt.

Aus dem Schreiben des Ordnungsamtes, welches der CW vorliegt, geht hervor, dass die Fichten stark durch Borkenkäfer befallen gewesen seien –„zur akuten Gefahrenabwehr“, so heißt es in dem Schreiben, wurde die Eigentümer-Familie daher aufgefordert, die Bäume bis zum 28. Februar zu beseitigen. Auf Nachfrage beim Presseamt der Stadt war von dieser Anordnung keine Rede. Die Stadt erläuterte lediglich, dass die Eigentümer laut Naturschutzgesetz berechtigt zu der Fäll-Aktion gewesen seien (die CW berichtete).

„Wenn nicht hier, wo sonst ist Platz für neue Wohnungen…?“

Andreas Mostert, der Schwiegersohn der früheren Firmeninhaber, äußert insofern nicht nur Unverständnis für die Anwohner-Kritik an den Baum-Fällungen. Der 61-Jährige kann auch nicht nachvollziehen, warum sich überhaupt eine Anwohner-Initiative gegen die Pläne für eine Wohnbebauung der früheren Fabrik-Fläche gebildet hat – und die Bezirksvertretung Cronenberg die dazu notwendige Bebauungsplan-Änderung bei nur einer Enthaltung ablehnte. Andreas Mostert wundert sich: „Wenn nicht hier, wo könnte sonst besser neuer Wohnraum entstehen?“

Die zuständige städtische Planerin sieht das wohl ähnlich: „Wohnen würde sich dort besser anbieten als Gewerbe“, sagte sie in der Bezirksvertretung mit Verweis darauf, dass die Fläche von Wohnbebauung umgeben ist. Dennoch zeigte sich die Bezirksvertretung wenig angetan: Zum einen seien Gewerbeflächen knapp, zum anderen nähmen die Verkehrsprobleme von und nach Sudberg zu, wenn auf der insgesamt bis zu 20.000 Quadratmeter großen Gesamtfläche Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie Mehrfamilienhäuser gebaut würden. Die BV favorisierte daher den Erhalt als Gewerbefläche und die Ansiedlung von still arbeitenden Unternehmen, welche die Wohnumgebung nicht stören.

Auflagen zu hoch: „Welches Gewerbe will denn hier hin…?“

Nur, welche Firmen wollten denn überhaupt an den entlegenen Standort zwischen Häusgesbusch und Emanuel-Felke-Straße ziehen, fragt sich Andreas Mostert: Fast alle früheren Firmen in der Nachbarschaft seien mittlerweile verschwunden, alle bisherigen Gewerbeflächen zugunsten von Wohnbebauung umgewandelt – „nur die Firma Baier noch nicht“, kann der 61-Jährige die BV-Entscheidung nicht verstehen: „Es ist zweifelhaft, dass sich ein Gewerbe in einem quasi reinen Wohngebiet niederlassen möchte, dazu sind die Auflagen doch viel zu hoch.“

Mostert berichtet, dass es zwar einen interessierten Investor gebe. Verträge seien aber noch keine unterschrieben. Klar sei allerdings, dass von einer Massiv-Bebauung keine Rede sein könne, im Gegenteil: Es sei eine aufgelockerte Bebauung geplant. Das, so betont Andreas Mostert, sei ihm auch von Mitgliedern des zuständigen Stadtentwicklungsausschusses bestätigt worden. Auch alle städtischen Signale seien bislang positiv ausgefallen: „Das hier ist eine potenzielle Wohnbaufläche, wie sie in ganz Wuppertal gesucht wird“, findet der Sprecher der Eigentümer-Familie: „Wuppertal hat nicht viele von solchen Flächen…“

Andreas Mostert hofft darauf, dass sich der zuständige Stadtentwicklungsausschuss, der zuletzt seine Entscheidung wegen der Ablehnung der BV Cronenberg verschob, die Pläne nun am 19. Mai fair und sachlich beurteilen wird. Was sachlich richtig an der Oberheidter Straße wäre, das ist für Mostert keine Frage: „Hier weiterhin Gewerbe haben zu wollen, das ist widersinnig – das hier ist ja mittlerweile ein reines Wohngebiet.“