Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

26.01.2021, 11.58 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Lotto Dürholt am Hahnerberg: „Man fühlt sich wie im Knast hier“

Artikelfoto

Baustellen-Container seit einem Dreivierteljahr direkt vor der Geschäftstür und dann auch noch Corona-Lockdown: Ronald Dürholt, der Inhaber des Lotto-Toto-Geschäfts am Hahnerberg, ist doppelt „gebeutelt“. | Foto: Meinhard Koke

Immerhin, er darf sein vielseitiges Geschäft für Lotto und Toto, Zeitschriften, Tabakwaren oder auch Getränke, Snacks und Post-Angelegenheiten geöffnet haben – das ist im gerade erst vergangene Woche verlängerten Lockdown ja schon was. So richtig freuen kann sich Ronald Dürholt aber nicht – und zwar wegen der Dauerbaustelle am Hahnerberg.

Die ist zwar zumindest aus Autofahrer-Sicht Geschichte, denn seit Ende November fließt der Verkehr zwischen den Kreuzen Theishahn und Hahnerberg wieder in beiden Richtungen. Für Ronald Dürholt ist die Leidenszeit, die Ende April mit der siebenmonatigen Einbahnstraßenregelung begann, aber noch nicht vorbei. Vor seinem Hahnerberger Geschäft ist weiterhin alles gesperrt: „Man guckt nur auf die Container – das ist frustrierend“, klagt der Geschäftsmann: „Man kommt sich beinahe vor wie im Knast hier.“

„Es kommt ja kaum noch jemand vorbei…“

Frustrierend findet Ronald Dürholt auch die „Funkstille“: Weder seitens der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) noch der Baufirma habe jemand zuvor mit ihm gesprochen, niemand sage ihm, wie lange die Baustelle vor der Geschäftstür noch dauern werde und insofern die Bushaltestelle gesperrt bleibe: „Es gibt keine Kommunikation“, bemängelt der 58-Jährige. Auf etwa 30 Prozent schätzt Ronald Dürholt seine Umsatzeinbußen in den letzten Monaten. Klar, ein Teil davon hat mit dem Lockdown zu tun, weiß er. Dass die Bushaltestelle vor seiner Haustür weiterhin gesperrt ist, setzt dem Hahnerberger Geschäft aber zusätzlich zu: „Die Laufkundschaft ist weg – es kommt ja kaum noch einer vorbei.“

Mit der Wiederfreigabe der Hahnerberger Straße atmete Dürholt Ende November auf: Bald würden die Busse nun wieder vor seiner Geschäftstür halten, glaubte er – endlich! Doch von Tag zu Tag und Woche zu Woche hofft der Geschäftsmann seitdem vergebens, dass die noch offenen Baulöcher kurz vor der Sparkassen-Filiale zugemacht werden und die Baustelle weiterwandert: „Die sind so gut wie fertig, aber es tut sich einfach nichts.“ Dürholt sieht ein, dass die Baufirma irgendwo Material und Werkzeug lagern muss – aber warum nicht auf dem Bauhof am Schulzentrum Süd, fragt er: „Mir kann keiner erzählen, dass die nicht zumindest bis zur Ampel zumachen können – irgendwann muss doch mal Feierabend sein.“

WSW: „Wenn es andere Möglichkeiten gäbe, würden wir das tun…“

Sascha Burghoff gibt zu, dass die Situation für Ronald Dürholt alles andere als schön sei: „Wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, würden wir das tun“. Dass schon bald „Feierabend“ sein wird und die Baustelle weiterzieht, darauf kann der Baustellen-Koordinator der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) wenig Hoffnung machen: Vier bis sechs Wochen werde man noch brauchen, sagt Burghoff nach Rücksprache mit dem zuständigen Bauleiter und fügt an: „Je nach Witterung…“

Ronald Dürholt ist umso mehr zu wünschen, dass es dann vielleicht auch mit dem Lockdown vorbei ist – und ihm die Stammkunden solange weiter die Treue halten…