08.11.2025, 15.57 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Miriam Scherff in Amt eingeführt: „Wir sind Oberbürgermeisterin!“

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Die neue Wuppertaler Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (2025) nach ihrer Amtseinführung durch den Alterspräsidenten, den CDU-Stadtverordneten Dr. Rolf Köster. | Foto: Meinhard Koke

„Wir sind Papst!“ titelte im Jahr 2005 eine bekannte Boulevardzeitung, als Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden war… Zumal die „Kult-Schlagzeile“ nicht geschützt ist, münzen wir sie um: „Wir sind Oberbürgermeister!“, lautet seit Montag die Devise in Wuppertal. Zumindest aus Dörper Sicht: Mit Miriam Scherff wurde am 3. November die bisherige Cronenberger Bezirksbürgermeisterin in ihr Amt als neue Oberbürgermeisterin der Stadt eingeführt (die CW berichtete bereits kurz).

Während mit Benedikt XVI. nach fast 500 Jahren erstmals wieder ein Deutscher Papst geworden war, ist der Amtsantritt von Miriam Scherff ungleich weniger historisch. Mit Peter Jung war bis 2015 zuletzt ein Cronenberger Oberbürgermeister der Stadt – der Küllenhahner war bei der Einführung Miriam Scherffs in den Besucherreihen im Barmer Ratssaal zu sehen… Ebenso verfolgten hier Mutter und Bruder der Dörper SPD-Politikerin die Verpflichtung sowie Überreichung von Amtskette und Urkunde durch Alterspräsident Dr. Rolf Köster.

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Johannes Rau abgelöst: Jüngste Stadtchefin „ever“

Einer war leider nicht dabei: Vater Dieter Scherff, langjähriger Vorsitzender der SPD Cronenberg und im Januar 2020 verstorben, hätte sich sehr gefreut, dass seine Tochter nun erste Wuppertalerin ist, als 17. Oberbürgermeisterin der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg und mit ihren erst 36 Jahren eine der jüngsten Stadtchefinnen in NRW. Damit schaffte sie Historisches: Miriam Scherff mit ihren 36 Jahren löste Johannes Rau als bislang jüngsten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit ab – der verstorbene spätere Bundespräsident wurde im Jahr 1969 mit 38 Jahren Wuppertals OB… 

Scherff-Appell zu Gemeinsamkeit

In ihrer Antrittsrede gab die bisherige Cronenberger Bezirksbürgermeisterin das Versprechen ab, ihr Bestes zu geben, um die Stadt weiter voranzubringen. Sie werde ihr Amt mit Herz und Haltung ausüben, sie wolle zuhören und Brücken bauen, aber auch entscheiden, stellte die erst zweite Frau an der Wuppertaler Stadtspitze klar, dass sie die Stadt moderner und fortschrittlicher gestalten wolle: „Wuppertal hat alles dazu, nach vorne zu kommen“, unterstrich OB Scherff, dass das aber kein Einzelsprint, sondern ein gemeinsamer Weg sei: „Wir sind keine Gegner, wir sind gewählt, um Lösungen voranzubringen.“

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Klare Kante gegen Angriffe gezeigt

In diesem Sinne rief die Cronenbergerin zu einem respektvollen Miteinander auf. Es könne gestritten werden, aber das Ziel müsse immer eine gemeinsame Lösungsfindung sein, stellte Scherff zugleich klar, dass sie Beleidigungen oder gar Bedrohungen aufgrund von politischer Meinung, Hautfarbe, Religion oder Geschlecht nicht akzeptieren werde: „Wuppertal ist eine vielfältige Stadt“, warb die neue Stadtchefin vielmehr um eine „Kultur des Miteinanders“. Im Anschluss nahm Miriam Scherff ihre erste offizielle Aufgabe als Oberbürgermeisterin wahr: Sie führte jedes einzelne Ratsmitglied ein und überreichte die entsprechenden Urkunden, bevor der Stadtrat anschließend zur Wahl der ehrenamtlichen Bürgermeister schritt…

Keine Überraschungen bei Bürgermeister-Wahl

Auch wenn die AfD hier mit einem eigenen Vorschlag aufwartete, gab es hier keine Überraschungen: Entsprechend einem fraktionsübergreifenden Antrag (die CW berichtete) wurden ebenso Heiner Fragemann (SPD) als 1. ehrenamtlicher Bürgermeister wie die beiden Cronenberger PolitikerInnen Rainer Spiecker (CDU) und Dagmar Liste-Frinker (Grüne) als 2. beziehungsweise 3. Bürgermeister wiedergewählt – zusammen mit OB Scherff ist die neue Stadtspitze damit mit drei VertreterInnen aus dem Dorf besetzt…!

Die neue Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (2.v.l.) mit ihrer neuen/alten ehrenamtlichen Stellvertreter-Riege, dem 1. Bürgermeister Heiner Fragemann (SPD, re.), dem 2. Bürgermeister Rainer Spiecker (CDU, li.) sowie der dritten Bürgermeisterin Wuppertals, der Grünen-Politikerin Dagmar Liste-Frinker. | Foto: CDU

Die neue Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (2.v.l.) mit ihrer neuen/alten ehrenamtlichen Stellvertreter-Riege, dem 1. Bürgermeister Heiner Fragemann (SPD, re.), dem 2. Bürgermeister Rainer Spiecker (CDU, li.) sowie der dritten Bürgermeisterin Wuppertals, der Grünen-Politikerin Dagmar Liste-Frinker. | Foto: CDU

Florian Kötter: Cronenberger als Leiter von OB-Büro

Und auch bei der Leitung des Oberbürgermeister-Büros setzt Miriam Scherff auf Cronenberg: Florian Kötter, bislang der stellvertretende Leiter, ist der neue Chef des OB-Büros. Der Küllenhahner ist zudem auch „Verwaltungspate“ der Bezirksvertretung Cronenberg. Rémi Teichmann wählte Miriam Scherff indes als ihren persönlichen Referenten: „Mir war es sehr wichtig, bei der Besetzung meines Stabs auf die großen Erfahrungen innerhalb der Verwaltung zurückzugreifen“, erläuterte die neue Oberbürgermeisterin zu den beiden Personalien: Mit Florian Kötter und Rémi Teichmann sei sie da bestens aufgestellt.