Moderatorin Veronika Guder, Managerin Circular Economy der Neue Effizienz gGmbH, und Geschäftsführer Jochen Stiebel (li.) mit Dr. Andreas Groß, der für die „zukunftsweisende“ Veranstaltung die Türen seiner Berger-Gruppe in der Kohlfurth öffnete. | Foto: Meinhard Koke
Im Eiltempo führte Dr. Andreas Groß die Teilnehmenden durch die Produktionshallen der Berger-Gruppe: Hier machte der Berger-Chef Halt an einer Maschine, die nach China ausgeliefert wird, dort stellte er eine Roboterstraße vor, die an einen Messerhersteller in der Schweiz geht. An anderer Stelle erläuterte Groß einen Automaten, den ein Produzent aus Attendorn bei dem „Hidden Champion“ in der Kohlfurth bauen lässt. Weitere Station des Rundgangs: ein Industrieroboter mit integrierten Kameras. Andreas Groß verschob eine Ablage, auf der der Roboter Rohlinge ablegen soll. Nichts, was den Roboter aus der Bahn werfen konnte: Dank der Kameras fand der Arm spielend die neue Position.
Vierte industrielle Revolution durch KI
Der Rundgang machte deutlich, wie Automatisierung und Robotik die Arbeitswelt längst verändern. Und nun wirkt Künstliche Intelligenz wie ein Katapult: „Die Beschleunigung hat exponentiell zugenommen“, erläuterte Dr. Andreas Groß im anschließenden Vortrag. Gewisse Entwicklungen hätten mitunter gerade noch eine Halbwertszeit von einer Woche. Die Komponente KI habe eine Bedeutung wie dereinst die Erfindung der Elektrizität: „Wir sind kurz davor, dass sich sehr viel in der Arbeitswelt ändern wird…“
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Der Gründe mehr als genug für die Neue Effizienz GmbH, im Rahmen der Reihe „bergisch. metall Nachglühen“ zur Berger-Gruppe einzuladen. Die gemeinnützige Organisation beschäftigt sich mit nachhaltiger Transformation, Energie- und Ressourceneffizienz sowie dem Transfer von Innovationen. Der Dienstagnachmittag bei der Berger-Gruppe stand unter dem Motto „Mensch & Maschine – Wie arbeiten wir morgen?“
Roboter als Helfer – und vielleicht sogar als Chef…?
In seinem Impulsvortrag erläuterte Berger-Chef Andreas Groß seine Sicht auf die längst laufende Transformation und die Veränderungen, die noch bevorstehen. Groß nahm Bezug auf einen Beitrag in der ARD-Sendung „Weltspiegel“, der sich mit dem zunehmenden Einsatz humanoider Roboter bei der Seniorenbetreuung in Singapur befasste: „Das ist eine großartige Hilfe – die sind da viel weiter als wir.“ Und womöglich könnte es irgendwann sogar so weit kommen, dass „ein Roboter mein Chef sein wird“, unkte der Kohlfurther Unternehmer…
Ob es tatsächlich einmal so weit kommen wird, ist offen. Für den Praktiker Groß ist vielmehr entscheidend, dass ein Roboter in der industriellen Anwendung weder ein menschliches Aussehen mit Kulleraugen noch besonders viele Gelenke benötigt: „Drei Finger reichen aus“, so der Ingenieur. In der Verbindung von Robotik und Künstlicher Intelligenz sieht Andreas Groß weit mehr als einen „Megatrend“: eine vierte industrielle Revolution.
Neue Fähigkeit: „Prompten“ statt programmieren
Beispiel: Programmieren. Die Fähigkeit dazu sei keine Voraussetzung mehr dafür. Gefragt sei vielmehr das „Prompten“, also die Kommunikation mit einer Künstlichen Intelligenz. Das heißt: Je präziser und zielgerichteter ein Prompt formuliert ist, desto besser fällt die Antwort der KI aus – so auch beim Programmieren. „Prompt Engineers können mitunter gar nicht mehr programmieren, die machen das über KI-Modelle“, erläuterte Andreas Groß den revolutionären Fortschritt: „So weit ist das schon, das ist Realität.“
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Deutschland muss sich auf Stärken besinnen
Weniger weit ist man allerdings in Deutschland: 54 Prozent aller Industrieroboter wurden im Jahr 2024 in China installiert, während es in Deutschland sogar einen Rückgang von fünf Prozent gab. Mit Verweis auf den World Robotics Report 2024 benannte Berger-Chef Groß frustriert die Zahlen: „Es muss sich was ändern“, lautete sein Weckruf.
Allerdings war der Unternehmer nicht nur verzweifelt. Zum Schluss seines Impulsvortrags zeigte er sich dennoch optimistisch: „Wir haben Chancen.“ Groß verwies auf das gute Schulsystem in Deutschland ebenso wie auf die hervorragend industriell ausgebildeten Fachkräfte: „Wir müssen uns einfach auf das besinnen, was wir können – und das sitzt zwischen unseren Ohren.“ Damit machte Groß den Zuhörenden Mut, und vielleicht auch sich selbst: „Ich bin auf keinen Fall negativ…“